Bildungsstandards für die Berufsbildung aus europäischer Perspektive am Beispiel Großbritannien: Darstellung, Einordnung und Konsequenzen für die deutsche Debatte

  • Matthias Pilz

Abstract

Bildungsstandards werden in diversen Ländern der EU in Zusammenhang mit der beruflichen Bildung diskutiert. Der vorliegende Beitrag skizziert die Standardisierung am Beispiel eines schottischen Modulangebots (SVQs) und vergleicht die Befunde mit den Gegebenheiten im deutschen Dualen System. Im schottischen Kontext ist neben dem Zusammenhang von Standardisierung und Modularisierung auch auf die korrespondierenden Konzepte des „competence based approach“ und der „Outputorientierung“ einzugehen. Dabei wird deutlich, dass die Verwendung identischer Begriffe in verschiednen Ländern wegen unterschiedlicher Bedeutungsinhalte zu Irritationen führen kann. Als Ergebnis lässt sich feststellen, dass die britisch-schottische Standardisierung outputorientiert ausgerichtet ist, Mindestanforderungen setzt und einen Fokus auf Testwerte besitzt. Hingegen ist das deutsche Dualen System auf den Input ausgerichtet, definiert Lernziele sowie Kompetenzen als übergreifendes Konstrukt und fixiert damit ein eher durchschnittliches Erwartungsniveau. Weiterhin wird im internationalen Kontext für eine weite Fassung und damit Definition des Begriffs der Standards bzw. Standardisierung plädiert, da eine alleinige Fokussierung auf Bildungsstandards andere wichtige Elemente der Normierung eines (Berufs-) Bildungssystems ausblenden würde. Dieser Sachverhalt gilt auch vor dem Hintergrund neuster Entwicklungen auf EU-Ebene, wie der Entwicklung eines Europäischen Qualifikationsrahmens (European Qualification Framework, EQF) und eines Kreditpunktesystems (European Credit Transfer System in Vocational Education and Training, ECVET).
Published
2006-09-15