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Abstracts

Ästhetik

Anja Besand: Verhüllen oder Enthüllen? - Ästhetik als Herausforderung für Sozialwissenschaft und sozialwissenschaftliche Bildung

Gerade in den klassischen Bezugswissenschaften der politischen Bildung haben die Begriffe Ästhetik, ästhetisch und Ästhetisierung seit einigen Jahren Konjunktur. So spricht man in der Soziologie seit fast 20 Jahren wieder von Lebensstilen und beschreibt damit den Sachverhalt, dass gesellschaftliche Gruppen sich nicht mehr ausreichend durch klassische demographische Daten differenzieren lassen, sondern sich durch Konsumstile und Selbstinszenierungen, also durch ästhetisches Verhalten, gruppieren und somit orientieren. Alltagsästhetik ist ein wichtiges Stichwort in diesem Kontext. In der Politikwissenschaft sind es Begriffe wie: Politik als Showgeschäft, Politik als Theater, Politik im Unterhaltungsformat oder Politainment die im Kontext der Debatte über die Ästhetisierung der Politik auftauchen. Plötzlich interessiert man sich verstärkt für Wahlwerbung, für die Konstruktion politischer Wirklichkeit und politische Performanz und damit für die Frage, wie politische oder auch soziale Sachverhalte gesellschaftlich wahrgenommen werden oder wie sie sich vermitteln.

Für die politikdidaktische Diskussion müssten solche Auseinandersetzungen eigentlich von zentralem Interesse sein, denn es ist der professionelle Auftrag dieser Disziplin, sich mit der Vermittlung von Politik wissenschaftlich zu beschäftigen, doch bislang tut sich die politische Bildung mit dem Ästhetischen eher schwer.

Im Folgenden soll der Versuch unternommen werden das Verhältnis von Ästhetik und politischer Bildung genauer nachzugehen, sowie die Ursachen und Gründen für die Abneigung der politischen Bildung zu identifizieren. Darüber hinaus sollen aber auch die Chancen betrachtet werden, die sich durch das Ästhetische für das Fach ergeben könnten

Bernd Clausen: Strukturelle Audiovisualistik - Grundlagen einer Ästhetischen Feldforschung

Die Strukturelle Audiovisualistik legt den Schwerpunkt auf die integrativen, pluralistischen Elemente auditiver und visueller Wahrnehmung, um Zusammenhänge und Beziehungsmuster sinnlicher Einzelerlebnisse aufzuspüren, deren Verbundenheit zu erkennen und in einem dritten, kreativ-praktischen Schritt darzustellen. Die Methode zur Gewinnung jener ästhetischen Daten ist die Ästhetische Feldforschung. Im Folgenden wird zunächst das Modell einer Strukturellen Audiovisualistik dargestellt, dann unser Verständnis einer Ästhetischen Feldforschung erläutert und anhand eines Beispiels Arbeitsweisen skizziert.

Ludwig Duncker, Matthias Fink: Jugendliche Identität als Thema der Curriculumentwicklung – das Beispiel PeriSCop

Der Beitrag stellt Möglichkeiten einer ästhetischen Konstruktion von Curricula vor, in denen es um die Jugendsituation in den Ländern Slowenien, Tschechien und Deutschland geht. Diese Curricula sollen in Schule und Lehrerbildung dazu beitragen, Lernprozesse über das Selbstverständnis Jugendlicher in den beteiligten Ländern zu ermöglichen. Die Prinzipien und Beispiele gehen zurück auf ein von der Europäischen Union gefördertes trilaterales Projekt "PeriSCop" (Sokrates Programm: Comenius 2.1), an dem insgesamt sieben Institutionen der Partnerländer beteiligt sind. "PeriSCop" ist die Abkürzung für "Perspektivenwechsel in Schule und Curriculum mit europäischem Bildungsprofil in der Lehrer(aus)bildung" mit einer insgesamt dreijährigen Laufzeit (2002 bis 2005).

Mit Curriculum meinen wir hier die Erstellung von fächerübergreifenden Lernmaterialien, die in der Sekundarstufe – bevorzugt in den Klassenstufen 7 bis 10 – eingesetzt werden können und dort eigenständige Prozesse der Auseinandersetzung mit dem Thema Jugend und jugendliche Identität ermöglichen. Eine besondere Rolle spielt dabei die Frage nach der ästhetischen Gestaltung der Curriculum-Materialien.

Die folgenden Ausführungen skizzieren zunächst die empirische Ausgangsbasis, die in Interviews und Fragebogenerhebungen ermittelt wurde. Die quantitativen Daten, die dabei gewonnen wurden, dürfen aufgrund der Anzahl der ausgewerteten Fragebögen als repräsentativ gelten. Die Interviews vermitteln zusätzlich qualitative Hinweise und authentische Aussagen, die für die Entwicklung der Curriculum- Materialien vielfältig aufgegriffen werden konnten (1). Für die Konstruktion der Curriculum- Materialien selbst wurden zwei grundlegende didaktische Prinzipien zugrunde gelegt: Das Prinzip des Perspektivenwechsels ist in der Didaktik eingeführt und in seiner Fruchtbarkeit vielfältig erschlossen. Es genügt hier, auf einige zentrale Bildungsgedanken hinzuweisen, die in ihm sichtbar werden (2). Dieses Prinzip gilt es dann in ästhetischer Hinsicht für die Konstruktion von Curricula zu erschließen (3). In einem letzten Teil wollen wir einige ausgewählte Beispiele aus unserer Curriculum-Werkstatt vorstellen, an denen wir den Prozess der Ideenentwicklung exemplarisch verdeutlichen möchten (4).

Nicole Bösch: Sprache schafft Wirklichkeiten - Metaphernreflexion in der umweltwissenschaftlichen Bildung

Die Vermittlung und Aneignung von Sachwissen vollzieht sich in einem hohen Maße durch Metaphern. Aufgrund des charakteristischen Übertragungsprozesses, auf dem Metaphern basieren, sind sie dazu prädestiniert, etwas Unbekanntes mit Hilfe von etwas Bekanntem zu präsentieren und damit dem betrachteten Gegenstand mehr Anschaulichkeit zu verleihen. Die metaphorische Herkunft gerät jedoch leicht aus dem Blickfeld und das in Fach- und Lehrbüchern vermittelte Wissen legt das Vorhandensein von fachbezogener Wahrheit nahe. Mit Hilfe der Reflexion und der Analyse von Metaphern wird die gedankliche Strukturierung offen gelegt und Hinweise auf die spezifische Sichtweise und Wahrnehmung des Sachverhalts gegeben. So offenbart sich beispielsweise in der umweltwissenschaftlichen Bildung der Begriff des Umweltmanagements als anthropozentrischer Herrscher- und Lenkungsanspruch auf die Umwelt. Die Reflexion der Metaphern macht den Zusammenhang zwischen Sprache und Wissenschaft anschaulich und bereitet darüber hinaus den Weg für eine interdisziplinäre Zusammenarbeit. Gelingt es, die in der Sprache begründeten disziplinären Denkbahnen aufzudecken, so wird ein diskurs- und fächerübergreifendes Denken erleichtert und gefördert.

Thomas Kaniuth: Lernen durch und von der Kunst - Impulse der Kunst für die Organisationsentwicklung

Unternehmen stehen heute angesichts eines enormen Wettbewerbsdruck, hoher Veränderungsraten und großer Unübersichtlichkeiten vor neuen Herausforderungen. Zu ihrer Bewältigung bedarf es einer Ergänzung der bisherigen Vorgehensweisen und Leitbilder. Entsprechend steht auch die Organisationsentwicklung vor der Frage, welche - mitunter auch außergewöhnlichen - Maßnahmen zur Bewältigung der Situation zu ergreifen sind und woher entsprechende Impulse kommen können. Kunst, als der geradezu prototypische Ort von Innovation und schöpferischen Verhalten kann hier zu einer wichtigen Quelle werden. Je nach Ausgangslage können unterschiedliche Schnittstellen gebildet werden, die eines gemeinsam haben - Unternehmen wertvolle Impulse zur Problemlösungen zu liefern.

Dagmar Richter: Politische Bildung durch "Kunst mit politics" - Nur ein Versprechen oder eine Chance zur politisch-ästhetischen Kompetenzbildung?

Eröffnet die Rezeption von Kunst einen Zugang zur Politik oder Wirtschaft und ist folglich für Politische Bildung interessant? Zunächst werden einige Beispiele für Verflechtungen verschiedener gesellschaftlicher Systeme mit Kunst präsentiert. Daran schließt sich die Frage an, welche Kunst geeignet sein kann, politische Bildung zu fördern. Festzustellen ist, dass frühere Hoffnungen der Kunst- und Politikdidaktiken auf positive Wirkungen der Kunst auf Schüler/innen bislang nicht empirisch bewiesen werden konnten. Dennoch ist es lohnend, eine politisch-ästhetische Kompetenz als "zeit- und erfahrungsdiagnostische Kompetenz" zu formulieren. Am Beispiel eines Fotos von Shirin Neshat wird exemplarisch vorgestellt, wie sich ein politisch-ästhetischer Rezeptionsprozess entfalten kann. Vertreten wird die These, dass Kunst ein sinnvoller Inhalt im Politikunterricht sein kann und nicht lediglich nur als ein methodisches Mittel zu verstehen ist.

Entrepreneurship

Dirk Eickelmann: Das Potenzial von Schülerunternehmen zur Förderung einer unternehmerischen Grundhaltung gegenüber dem gesamten Leben

Dieser Beitrag setzt sich mit dem Potenzial von Schülerunternehmen zur Förderung einer unternehmerischen Grundhaltung gegenüber dem gesamten Leben auseinander. Im Fokus der Überlegungen steht zunächst der Lebensentrepreneur, die Leitfigur einer modernen Gesellschaft, dessen elementare Persönlichkeitsmerkmale die Eigeninitiative und die Verantwortungsübernahme sind. Eine Analyse dieser Persönlichkeitsmerkmale in den vier Bedeutungsdimensionen der Lebenswelt des Lebensentrepreneurs begründet die These, dass Schule besonders der Funktion als Wegbereiter und Übungsfeld dieser Kompetenzen gerecht werden muss. Notwendige Bedingung dafür ist die Ausgestaltung schüleraktiver, selbstorganisierter Lernprozesse in Form mehrdimensionaler Lehr-Lern-Arrangements. Am Beispiel des Schülerunternehmens als Extra-curricular-Activity soll das Potenzial eines solchen Arrangements zum Erwerb persönlichkeitsbezogener unternehmerischer Kompetenz im Hinblick auf alle vier lebensrelevanten Dimensionen analysiert werden.

 

Reinhard Schulte: Entrepreneurship-Ausbildung an Hochschulen und "Kultur der Selbstständigkeit"

Der Beitrag diskutiert die vermehrt thematisierte so genannte „Kultur der Selbstständigkeit“ im Kontext der akademischen Ausbildung, speziell in Verbindung mit der sich zunehmend etablierenden „Entrepreneurship-Ausbildung“. Sie bezeichnet die Qualifizierung für eine Tätigkeit als unternehmerischer Entscheidungsträger. Aus der Perspektive der wirtschaftswissenschaftlichen Hochschulausbildung liefert der Beitrag eine kritische Auseinandersetzung mit dem Begriff der „Kultur der Selbstständigkeit“ sowie eine Konkretisierung der Erwartungen an diese. Dazu werden auch die darauf bezogenen Operationalisierungsversuche skizziert und reflektiert sowie empirische Evidenzen vorgestellt. Da die Entrepreneurship-Ausbildung an Hochschulen als ein Indikator dieser Kultur verstanden werden kann, geht der Beitrag auch der grundsätzlichen Frage der Lehrbarkeit unternehmerischer Qualifikationen sowie des dazu erforderlichen didaktischen Gerüstes nach und leitet daraus einige elementare Überlegungen zu methodischer Ausgestaltung, Zielgruppen und Praxisorientierung der Entrepreneurship-Ausbildung ab. Der Beitrag zeigt abschließend ihre Kongruenzen mit bildungstheoretischen Leitbildern. 

Günther Seeber, Sabine Boerner, Helmut Keller, Peter Beinborn: Strategien selbstorganisierten Lernens bei berufstätigen Studierenden. Ausgewählte Ergebnisse einer empirischen Untersuchung

Die Autoren betrachten die Nutzung nicht-motivationaler Lernstrategien als bedeutsames Element einer Kultur der Selbstständigkeit in Lehr-Lern-Prozessen. Der Beitrag erläutert, wie der Einsatz dieser Strategien valide erfasst und damit systematisch einer didaktischen Analyse zugeführt werden kann. Darüber hinaus zeigen die Ergebnisse einer empirischen Studie, dass die Strategien sowohl für den Erfolg im Hinblick auf die fachliche Kompetenz als auch für den Transfer an den Arbeitsplatz bedeutsam sind. Abschließend diskutieren die Autoren eine Förderung der Selbstorganisationsfähigkeit durch geeignete Lernarrangements als Aufgabe der (Hochschul-)Didaktik.

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