Die Konstruktion des ökonomischen Blicks
1. Einführung in die Fragestellung
Weltbilder existieren nicht außerhalb des Denkens, und dennoch kommt
ihnen eine weltgestaltende Kraft zu, wenn sie beginnen, konkrete Wahrnehmungen
zu steuern und Handlungen zu leiten. Diese Kraft verstärkt sich, wenn sich
in einer Gruppe oder Gesellschaft gleichgestimmte Weltbilder ausbreiten. Dem
individuellen Weltbild wird bekräftigend das Vertrauen darauf eingegeben,
dass auch andere die Dinge gleich oder ähnlich sehen. Weltbilder wirken
selektiv auf die Wahrnehmung der Wirklichkeit. Darin liegt dann ein Erkenntnisrisiko,
wenn sie stehen bleiben und an tradierten Theorieansätzen zu lange festgehalten
wird. Im Folgenden steht die Frage im Vordergrund, ob und inwiefern bestimmte,
noch heute wirksame Grundorientierungen der Ökonomie in ein solches problematisches
Fahrwasser geraten sind und wie solche methodologischen Probleme angegangen
werden könnten.
Wie entstehen Weltbilder? Aus welchen realen Impulsen werden sie stimuliert,
falls man nicht glauben will, dass sie wie Manna vom Himmel fallen? Wie entstehen
die Versteifungen von Weltbildern gegen bessere Einsichten? Wie können
die Apologeten durchschauen, dass sie sich und andere möglicherweise in
eine verkehrte Welt manövrieren, wenn sie ihr Weltbild dogmatisieren? Die
Wirtschaftswissenschaften mit ihren beiden Hauptteilen Volkswirtschaftslehre
und Betriebswirtschaftslehre haben die Relevanz ihrer Theorien und Denkansätze
durch empirische Evidenz zweifellos ständig verbessert und sind damit praxisprägend
geworden. Allerdings haben sie damit in der Realität zum Teil selber die
Tatbestände geschaffen, die sie als empirische Belege zum Beweis ihrer
Theorien benötigen. Ein methodologisches Problem. Auch der Konstrukteur
einer Maschine muss sicherstellen, dass sein Werk funktioniert. Die Frage stellt
sich, ob sich die Ökonomie ihrem Selbstverständnis nach als Konstrukteur
von realen Verhältnissen betrachtet oder vielmehr aus der Distanz ermitteln
will, wie wirtschaftliche "Maschinen" angelegt sind, wozu sie dienen
und was durch sie in der realen Welt geschieht.
Der vorliegende Beitrag kann und will keine umfassende Aufarbeitung aller daraus
sich ergebenden methodologischen Fragen bieten - das wäre in einem Essay
nicht leistbar. Es geht vielmehr um den Versuch einer Entgrenzung des allzu
eng gezogenen Blickwinkels für das, was als das eigentlich Wirtschaftliche
an der Wirtschaft gilt und damit Thema der Ökonomie ist: die Erzeugung
von materiellem Wohlstand unter den Bedingungen ökonomisch-rationalen Verhaltens
der Wirtschaftssubjekte (im Wesentlichen also die Sicht der Neoklassik). Ausführlich
wird dagegen dem Aspekt nachgegangen, dass alles, was in der Wirtschaftsrealität
geschieht, eine Kopfgeburt ist. Das menschliche Denken, seine Leistungsfähigkeit
und seine Begrenzungen, soll zur Erklärung von Phänomenen in der Wirtschaft
herangezogen werden und ihm soll mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden in als
mit der schlichten Annahme, dass Individuen rational denken und handeln. Der
dieser neoklassischen Prämisse immanente Rationalitätsbegriff ist
seinerseits ein ökonomischer Topos, der auf den Aspekt der Handlungsvernunft
angesichts knapper Mittel reduziert ist. Andere Vernunftgründe wie etwa
das gedeihliche Zusammenleben von Menschen oder der respektvolle Umgang mit
der Natur tun sich darin schwer.
Die zentrale Frage einer denkbaren Entgrenzung des engen Blicks der Ökonomie
betrifft die Prägungen menschlichen Denkens aus dem kulturellen Umfeld
des Individuums. Lässt man dagegen zu, dass Individuen sich nicht nur ihrer
formalen Verstandeslogik zu bedienen pflegen, sondern, unterstützt durch
ihre Phantasiefähigkeit, angetrieben werden von ihren Visionen, und dass
diese Visionen in der einen oder anderen Weise zu konkreten Gestalten des Wirtschaftslebens
werden können, dann wird deutlich, warum der lebensweltliche Hintergrund
des Wirtschaftens (Kultur im allgemeinen Sinne) mehr als nur eine Kulisse ökonomischen
Denkens sein sollte, nämlich ein über das Denken transferiertes Agens,
vielleicht sogar das ökonomisch letztlich Entscheidende. Auch darum geht
es in diesem Essay.
Der Kürze halber wird der allgemeine Begriff "Ökonomie"
für die beiden Teildisziplinen "Volkswirtschaftslehre" und "Betriebswirtschaftslehre"
überwiegend summarisch verwendet werden. Beide Teildisziplinen ruhen in
verwandten, aus derselben fachlichen Tradition erwachsenen Betrachtungsweise
wirtschaftlicher Tatbestände und Vorgänge, der ökonomischen Denkwelt.
Vereinfachend gesagt, befasst sich die eine Teildisziplin mit singulären
Vorgängen (BWL), die andere (VWL) mit aggregierten. Eng verbinden sind
sie über die gedankliche Brücke der Mikroökonomie. Beide pflegen
die dinglichen Erscheinungen, die Apparturen und Arbeitsabläufe, die Rohstoffbestände,
Fertigwaren usw., in ihren Modellen und Kalkülen auf der korrespondierenden
Geldebene darzustellen. Dies ist begründet in der Tatsache, dass nicht
aus altruistischen Gründen und für einen Gotteslohn, sondern zum Einkommenserwerb
gewirtschaftet wird, und dieses hat gewöhnlich die Form von Geld.
Geld hat eine umfassende gesellschaftliche Funktion im allgemeinen Wertetransfer,
z.B. Steuern, Opfergaben, Schadensregulierung; sein Besitz bedeutet Einfluss
und Macht. Wirtschaften ist eine besondere Form der Schaffung von materiellen
und immateriellen Werten, die in die Geldform transferiert werden können.
Üblicherweise beleuchtet der ökonomische Blick nur diesen Wirtschaft
genannten Ausschnitt, nicht dagegen das Ganze der gesellschaftlichen Rolle des
Geldes und dessen Einbindung in die kulturellen Strukturen und Lebensmuster.
Von daher erklärt sich, warum in beiden Teildisziplinen weder das kulturelle
Umfeld handelnder Individuen noch die kulturellen Prägungen ihres (ökonomischen)
Denkens im Brennpunkt stehen. (1)
Die ersten beiden Abschnitte (2. und 3.) widmen sich den zentralen Denkansätzen
der Ökonomie, ihrer Selbstdeutung als eine den Naturwissenschaften methodologisch
nachgebildete Wissenschaft, der theorieleitenden Idee des rationalen, maximierenden
Verhaltens und ihrer Basisannahme der Existenz von Knappheit. Dem ökonomischen
Weltbild, das sich daraus gebildet hat, fehlt die Dimension des Kulturellen,
aus dem die konkreten Gestalten des Wirtschaftens und die Antriebe zu ihrer
Realisierung stammen. Ergänzend dazu befasst sich der Abschnitt 4. mit
der methodologischen Frage nach dem Realitätsbezug insbesondere der Neoklassik
als der Hauptströmung der heutigen Ökonomie. Im 5. Abschnitt steht
die Frage im Mittelpunkt, wie der traditionelle ökonomische Blick auf die
Dingwelt der Wirtschaft entgrenzt und erweitert werden kann auf die Geisteswelt,
die die Wirtschaftspraxis prägt, gefolgt von einer exemplarischen Diskussion
der Konstruktion des Marktes im Abschnitt 6. Die vorliegende Abhandlung kann
und will nicht mehr, als Anregungen zu weiterführenden Diskussionen geben.
Welche Horizonte dabei zur Geltung kommen können, behandelt der Abschnitt
7.
2. Kleine Rückschau: die Götterwelt der Ökonomen
Die Götter der alten Welt lächeln; denn sie wissen stets im Voraus,
was den Menschen bevorsteht. Die Irdischen dagegen müssen ihre Priester
anrufen, wenn sie ihr Schicksal erfahren wollen. Die Götterschauen der
Priester, die Theorien (gr. theorein = schauen) der Gelehrten, deuten aus himmlischen
und irdischen Zeichen den Willen der Götter und machen daraus weltliche
Formeln und Weissagungen des Unvermeidlichen, des Drohenden und des Hoffnungsvollen
in den menschlichen Schicksalen. Man hält ihre Weissagungen für weise
und folgt ihnen.
Merkur, so glaubten seit alters her die Gelehrten, hält lenkend seine
unsichtbare Hand über die Geschicke der Händler, Handwerker und Geldwechsler,
um ihr geschäftiges, eigennütziges, dreistes Treiben trotz aller Frivolität
zu einem guten Ende zu führen. Den Folgsamen verspricht er Glück und
Wohlstand. Merkur wusste, was er tat, als er sich den Markt (im Wort "Markt"
steckt über das lat. "mercatus" der Gott "Mercurius")
zu seinem heiligen Ort erkor, war er doch selbst ein schlauer Fuchs und Gauner
und trat mancherorts unter dem Namen "Hermes" auf. Kaum war er geboren,
stahl er die Viehherde seines Bruders Apollon und wusste die Spuren seiner Untat
unkenntlich zu machen, indem er die Herde rückwärts von der Götterweide
laufen ließ. Jupiter hieß ihn fortan, sich des Schicksals der Händler
und Gewerbetreibenden genau so weise anzunehmen wie des der Diebe, Gauner und
Wegelagerer. Beschützt vom selben Gott, mischten sich diese unter die Händler
und Gewerbetreibenden, machten sich unkenntlich und gaben so ihren Taten den
Schein der Harmlosigkeit. Seither haftet den Händlern, Kaufleuten und Gewerbetreibenden
der Makel an, auf dem Markt zu täuschen statt zu tauschen.
Erst viele Jahrhunderte nach Athen und Rom wird ausgerechnet ein Dichter darauf
kommen, den wahren Charakter der unsichtbaren Hand des Merkur aufzudecken, jener
geheimnisvollen, vermeintlich göttlichen Kraft, die den Eigennutz des wirtschaftenden
Menschen auf wundersame Weise in den Wohlstand aller verwandelt. In seiner szenischen
Dichtung "Faust" wird er Mephistopheles, von vielen auch der Unaussprechliche
genannt, dem überraschten Doktor Faust auf dessen Frage, wer er sei, erklären
lassen, er sei "ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will
und stets das Gute schafft". Doch die Erkenntnis, dass des Teufels Hand
im Spiel ist, wird zu spät kommen. Wohl wird das Gute stets gegen Mephistos
Willen geschaffen, doch ist es Teufelswerk, was da hervorkriecht. Der Glaube
an die Wohltätigkeit der den Markt lenkenden "unsichtbaren Hand"
wird dann schon längst durch einen schottischen Moralphilosophen zu einer
gefestigten positiven Glaubensgewissheit der Ökonomen geworden sein. Die
rastlose Suche nach dem Guten, Wahren und Schönen, die den Weimarer Geheimrat
und seinen Doktor Faust antreiben, wird Dichterwerk bleiben und von der berechnend
durchtriebenen Jagd nach dem Geld und dessen irdischen Versprechungen überrollt
werden.
3. Die Grundüberzeugungen der klassischen und neoklassischen
Ökonomie
a) Die ordnende Kraft der Natur und die unsichtbare Hand des Marktes
Die klassische und neoklassische Ökonomie ist trotz zahlreicher neuer
Denkansätze nach wie vor die Hauptströmung des Fachs. (2)
Ihre Grundlage ist die mikroökonomische Analyse, die mit der (sicher richtigen)
Festlegung zusammenhängt, dass nur Subjekte handeln können und sich
deshalb alles Geschehen auf makroökonomischer (aggregierter) Ebene auf
individuelle Handlungen zurückführen lassen muss. An dieser prononciert
auch von Schumpeter vertretenen Auffassung hat sich bis heute nichts verändert.
Sie ist indessen kein Glaubenssatz, sondern ein empirisches Faktum. Die Annahme,
dass auch Institutionen (z.B. Unternehmen) oder Entitäten wie die Industrie
denken und handeln, ist dagegen eine Fiktion und kann nur als Metapher verstanden
werden.
Gerade weil individuellem Handeln eine so zentrale Rolle zukommt, ist die Frage
nach den Konstituenten des Denkens über die Logik der ökonomischen
Vernunft hinaus von erheblicher Bedeutung. Hier geht es allerdings nicht um
die Vielfalt an Überzeugungen in der Wirtschaftswirklichkeit, sondern um
theorieleitende Überzeugungen des ökonomischen Denkens. (3)
Auffällig und erklärungsbedürftig ist die Feststellung, dass
von den frühesten Schriften Adams Smiths bis heute die Rekonstruktion der
Wirtschaftsrealität in Modellen zwar immer differenzierter und verfeinerter
geworden ist, dass aber die fördernden, lenkenden und auch blockierenden
Einflüsse außerökonomischer, das wirtschaftliche Denken der
Individuen maßgeblich bestimmender Prägungen aus der (hier umfassend
verstandenen) Kultur (z.B. die Rechtskultur, die politische Kultur, soziale
Traditionen, individuelle Lebensstile) so gut wie nie in den Brennpunkt der
Theoriearbeit gelangt sind.
Überzeugungen bilden sich aus der Evidenz von Erfahrungen, die sich in
vergleichbaren Situationen mit einer gewissen Konstanz wiederholen, und sie
werden zu Dogmen, wenn sich der nach Erkenntnis strebende Mensch gegen die Relativität
seines Wissens immunisiert. Aus den vielen Überzeugungen und Erfahrungen
Gleichgesinnter wird mit der Zeit ein Weltbild, das fortan das Denken und Handeln
aller daran Beteiligten, ob straff oder liberal, lenkt und sie gleichsam glauben
macht, sie seien auf dem richtigen Weg zur Erlangung objektiven Wissens. Die
Forschergemeinde der (neoklassischen) Ökonomen macht darin keine Ausnahme.
Ihre Grundüberzeugungen und die mit empirischer Unterstützung daraus
abgeleiteten Einsichten in und Deutung von Vorgängen und Verhältnissen
in der Wirtschaft sind zu einer verallgemeinerten, mittlerweile fast vollständig
globalisierten Richtschnur des Handelns innerhalb der Wirtschaft, oberhalb der
Wirtschaft (bei den Regierenden) und neben der Wirtschaft (in den anderen Sektionen
der Gesellschaft) geworden.
Die Vorstellung, dass eine unsichtbare Hand die Marktvorgänge zum Wohle
aller lenkt, war schon zu Zeiten des schottischen Moralphilosophen und Nestors
der modernen Ökonomie, Adam Smith (1723-1790), ganz anderen, neuen Göttern
verpflichtet. Merkurs Spuren waren verblichen (4), im Merkantilismus
noch als ferne Erinnerung und in unseren Tagen nur noch als profanes Nomen sine
Omen für Firmen, Waren und Publikationsorgane in der Öffentlichkeit
präsent. Was aber im Lichtkegel der Gelehrten blieb, war die Konstruktion
einer ökonomischen Anschauung mit metaphysischem Bezug von ganz anderer
Qualität. Diese Konstruktion gab sich bei Adam Smith in seiner Überzeugung
zu erkennen, dass die unsichtbare Hand des Marktes, des Wettbewerbs zumal, nur
optimal wirksam werden kann, wenn seine treibenden Kräfte unbehelligt von
sachfremden, insbesondere staatlichen Eingriffen (von definierten Ausnahmen
abgesehen) zur Geltung kommen. Mit anderen Worten: Die natürlichen Kräfte
eines freien Marktes seien imstande, so das allgemeine ökonomische Credo
lange Zeit auch noch nach Smith, im Gerangel zwischen Anbietern und Nachfragern
nicht nur irgendeine Ordnung, sondern ein harmonisches Gleichgewicht im Optimum
herbeizuführen.
Spätere Ökonomen haben auf dieser Anschauung aufbauend ihre eleganten,
nichtsdestoweniger konstruierten und oftmals realitätsfremden Gleichgewichtstheorien
und Modelle begründet (so z.B. noch Walras und Pareto Ende des 19. bzw.
Anfang des 20. Jahrhunderts). Sie haben das Konstruierte ihrer Arbeit aus methodischen
Gründen in Kauf genommen und offenbar, wie sich indirekt aus der Frage
nach den Kriterien eines optimalen Marktgleichgewichts ableiten lässt,
das Denken in Vollkommenheiten als Konstruktionsbasis nicht in Frage gestellt.
Erst mit der methodischen Gegenüberstellung von vollkommenen und unvollkommenen
Märkten (von Stackelberg 1934) löste sich
das ökonomische Denken von den in den Naturgesetzen vermuteten und auf
soziale Verhältnisse übertragbaren Ordnungskräften. Doch schon
der Begriff der Unvollkommenheit impliziert die Existenz einer maßstäblichen
Vollkommenheit und überlässt dem idealen Hintergrund weiter auch pragmatische
Wirksamkeit (wie z.B. im Neoliberalismus heutiger Prägung). (5)
Die auf der Basis der Eigenkräfte des Marktes konzipierte neoklassische
Theorie ist mehr ein Modell als ein falsifizierbares Konzept, und dient nicht,
wie sonst in den Wissenschaften üblich, der Steuerung der methodischen
Suche nach empirischer Evidenz einer vermuteten Wahrheit (These) unter Einschluss
von der Theorie widersprechenden Wahrnehmungen und Beobachtungen. Das neoklassische
Modell fungiert vielmehr als Maßstab und Wegmarkierung für wirtschaftspolitische
Programme. Die Folge: Es bildet sich mit der Zeit eine anthropogene Realität
(im weitesten Sinne eine lebensweltliche Kultur) nach den Mustern der Theorie,
womit diese dann in die Lage versetzt wird, sich die Beweise ihrer Geltung selber
zu generieren - ein klassischer Fall von Tautologie. Die Vorstellung einer in
der Natur angelegten prästabilierten Harmonie (Leibniz) erfuhr eine glänzende
Unterfütterung durch Isaac Newtons physikalisch-mechanistisches Weltbild,
nach welchem die Natur wie ein riesiges Uhrwerk funktioniert, dessen Gesetze
der Mensch zu ergründen sich bemühen kann. Die Naturgesetze, hat der
Mensch sie erst einmal erkannt und durchschaut, liefern die Vorlagen für
alles menschliche Erkenntnisstreben und seine Lust zu herrschen, nicht nur (partiell,
doch mit jedem Erkenntnisfortschritt akkumulativ) über die Natur, sondern
auch über die menschlichen Lebensverhältnisse.
Newtons Weltsicht, dass die Natur das Gesetz sei, war die bis dahin schärfste
Kampfansage gegen jede Art von Gesetze gebenden Göttern, auch gegen den
christlichen Gott. Dessen Rolle wurde zurückgedrängt auf die eines
Initiators oder Schöpfers, der sich nach getaner Arbeit hinter sein Werk
zurückgezogen hat und es nun aus sich selbst heraus wirken lässt.
Die Aufklärung setzte sich zwar durch. Aber ersetzte sie auch im ungebrochenen
Bedürfnis des Menschen nach Transzendenz die Götter durch die wahre
Vernunft oder nur durch eine neue Art von Transzendenz? Setzten sich nun Grundüberzeugungen
durch, die auf ihre Weise ebenfalls präskriptiv wirkende Weltbilder erzeugte?
Auch die demokratische Zivilisierung gesellschaftlicher Kräfte hat die
(allerdings weltliche) Kraft von etwas Gesetztem und das davon bestimmte Gesellschaftsbild
prägt auch die Grundüberzeugungen über ein ihr gemäßes
Wirtschaftssystem.
Die aufklärerische Kampfansage an die alten Mächte war zur Zeit Adam
Smiths in vollem Gang und durchzog die abendländischen Kreise der Philosophen,
Forscher (unter ihnen die frühen Ökonomen), Schriftsteller, Künstler
und aufgeklärten Politiker. Eine Art Kulturkampf brach an, der sich gegen
die gepuderte Welt des Rokoko wandte, und nicht wenige machten sich Rousseaus
"Zurück zur Natur" zu eigen. Rousseaus "Émile ou
de l'éducation" (1762) hat Adam Smith bei der Abfassung seines berühmten
Werkes "Über den Wohlstand der Nationen" (Smith
1978/1776) gekannt. Er selbst blieb aber auf Distanz (6)
und lieber der schottischen Aufklärung verbunden.
Dass die Kräfte der Natur auf die menschlichen Lebensverhältnisse
begrenzend oder antreibend einwirken, ist eine Erfahrungstatsache. Dafür,
dass sie darüber hinaus und von sich aus die bestmögliche aller Welten
zu schaffen angelegt ist, gibt es indessen keine schlüssigen Beweise. Die
Naturwissenschaften haben diese Sichtweise längst hinter sich gelassen.
Die vermeintlich auf soziale Verhältnisse übertragbare Neigung der
Naturkräfte zur Balance auf optimalem Niveau ist ein sympathischer Traum,
nicht mehr. Weder Adam Smith noch den ihm nachfolgenden Generationen der Hauptströmungen
der Ökonomie war offenbar bewusst, welch fatale Folgen das Festhalten an
der Idee der optimierenden Ordnungskraft der reinen (7) Natur
haben würde, eine Vorstellung, die in der jüngeren Ökonomie allerdings
überwiegend aufgegeben wurde und allenfalls noch metaphorisch weitergeführt
wird. (8) Noch bevor sich die Ökonomen die rasanten Entwicklungen
in den Naturwissenschaften der letzten zweihundert Jahre haben zu eigen machen
können, durch welche Newtons mechanistisches Naturbild den Vorstellungen
der Elementarphysik weichen musste (ausführlich Dürr
2000; vgl. auch Dürr, Oesterreicher 2001) und
Newtonsche Idee vom Universum als Fiktion erkannten (Brodbeck
1998; Prigogine, Stengers 1990), hatten sie ihr
eigenes Weltbild geschaffen, hatten es gegen paradigmatische Kritik immunisiert
und sich eine Art Festungsmentalität angeeignet, die keine Ausbrüche
erlaubt, aber auch keine Eindringlinge duldet.
b) Ein ökonomisches Weltbild ohne und mit Kulturbezug
Der historisch sich lange hinziehende (kulturell keineswegs vollständig
vollzogene) Bruch mit der Kultur des Ancien Régime fand in der Politik
(z.B. die Gründung der USA aus den abtrünnigen Kolonien Englands 1776;
die französische Revolution von 1789) und in den Künsten (als Beispiel
für viele: der spanische Maler Franzisco de Goya, vgl. Träger
2000) statt. Er erfasste die Köpfe von Wissenschaftlern und die Geister
von Philosophen. Wo der (kulturelle und politische) Ausstieg aus der Unmündigkeit
direkt in den Glauben an die harmonisierenden Kräfte der Natur führte,
wie in der Ökonomie Adam Smiths, entstand ein Weltbild ohne expliziten
Bezug zur Kultur (Civilization) und damit die nur allzu bekannte Diskrepanz
zwischen der Theoriewelt der Ökonomen und der unauflöslich in die
lebendige Kultur eingebetteten realen Wirtschaft. Es ist bezeichnend, dass Kultur
als das normative Fundament der Gesellschaftsgestalt in der Ökonomie seither
nie wieder ein Thema wurde. Erst in jüngster Zeit deutet sich in der so
genannten Neuen Institutionenökonomik (Richter, Furubotn
2003) ein Wandel an.
Die Demontage des Dogmas vom Vorbild natürlicher Marktkräfte für
das Denken und Handeln in der Wirtschaft wurde überfällig und hat
sich mittlerweile in verschiedenen Denkansätzen der Ökonomie niedergeschlagen.
Dennoch ist Einiges haften geblieben. Die Berufung auf die Naturgesetze als
Axiom der Ökonomie war und ist ohnehin ein methodologisches Problem eigener
Art, das hier nicht bearbeitet werden kann (Brodbeck 1998;
Bendixen 2003). Im aufklärerischen Kampf um die
bürgerliche Selbstbestimmung und Selbstverantwortung gegen die höfische
Kultur und Geisteswelt ist offenbar das Verständnis für Kultur als
Medium der Gesellschaftsgestaltung unter den neuen politischen Bedingungen abhanden
gekommen. Es blieb bei der Verabsolutierung der Natur auf der Strecke, und sein
Fehlen trieb eine Logik der Rationalität ökonomischer Denkart auf
die Spitze, die den kulturellen Grundlagen und Realitäten keine Beachtung
mehr glaubte schenken zu müssen. Die Ökonomen vergaßen, dass
selbst der Umgang mit der Natur kulturbedingt ist, dass die modernen Naturwissenschaften
ein Kind der Kultur der Renaissance sind, der wissbegierigen Hinwendung zur
äußeren Welt mit dem Willen, ihre Gesetze zu erkennen, dass ohne
die kulturellen Vorleistungen vieler Generationen das heutige Niveau an Wohlstand
kaum erreichbar gewesen wäre und dass der heutige Stand menschlicher Kulturformen
auf einem sehr langen Weg der immer besseren Nutzung von Naturressourcen den
äußeren Bedingungen der jeweiligen Umwelt abgerungen werden musste.
Ohne diese Kulturleistungen wären manche Flecken der Erde unbewohnbar.
Kultur ist die lebendige, ständig zu Geschichte werdende Geistes- und
Formungskraft von Menschen, die im Rahmen der natürlichen Gegebenheiten
individuell und organisiert in Gemeinwesen Ideen und deren Verwirklichungen
hervorbringen. Soweit dabei Dinge und Dingkonfigurationen geschaffen werden,
ist Wirtschaft als Sphäre der materiellen Produktion im Spiel. In ihr wird
das faktisch, was aus der lebensweltlichen Kultur an Ideen und Projektionen
hervorgebracht wird. Das Wesen der Wirtschaft (9) ist ihr
"Gehorsam" gegenüber den kulturellen Lebensvorstellungen in der
Gesellschaft, wenn und solange die Auffassung gilt, dass Wirtschaft eine dienende
Aufgabe hat. Diese Auffassung ist aus anderen Gründen dennoch höchst
bedenklich. Sie erlaubt es, das Dienen als Rechtfertigungsgrund für manch
Herrisches herauszustellen und doch die Verantwortung für die Folgen "dem
Dienstherrn" (der Gesellschaft) zuzuweisen. Die traditionelle Ökonomie
optimiert kraft ihrer ökonomischen Rationalität die praktische Kombination
von produktiven Mitteln zugunsten eines formalen, abstrakt bleibenden Zwecks.
(10) Doch der konkrete Sinn und die Moral der Zwecke kann
damit nicht begründet werden. Man kann es auch so sehen: Die ökonomische
Theorie fußt auf der (idealisierenden, nicht explizierten) Prämisse
einer vollkommen aufgeklärten und ihrer ethische Grundlagen absolut gewissen
Gesellschaft.
Eine Erweiterung des theoretischen Blicks könnte dadurch geschehen, dass
die gebundene Position wirtschaftlicher Handlungen in den vitalen Strukturen
und Strömungen der Gesellschaft beleuchtet wird. Die Wirtschaft erscheint
dann als eine Phase innerhalb der gesellschaftlichen Prozesse, und zwar auf
der dinglichen Ebene durch die Vorgänge der Erzeugung und Verteilung und
auf einer monetären Ebene über das Geld als Verfügungs- und Koordinationsmedium.
Wirtschaft erscheint dann als ein gesellschaftlicher Sektor, eingebettet in
die normativen Strukturen und Leitbilder der Kultur, von der die geistigen Impulse
ausgehen, einschließlich der kulturellen Normen über den Umgang mit
der Natur als Ressource. Auf die Normen und Leitbilder der Kultur bezieht sich
das gestaltende Denken (genauer: die technisch-funktionale und die ästhetische
oder Design-Komponente der Erzeugnisse). Diese Auffassung liegt der vorliegenden
Abhandlung zu Grunde.
Daraus folgt fast zwanglos, dass kulturelle Schaffenskraft (Kreativität,
geistige Produktivität) die ursprüngliche Ressource der Wirtschaft
ist, nicht dagegen das Geld (das Kapital) und nicht der Grund und Boden, die
Bodenschätze und Energien oder die physische Arbeitskraft, wenngleich diese
Faktoren für die dinglich-prozessuale Ebene der Produktion, Distribution
und Konsumtion thematisch unverzichtbar sind und deren pragmatische Arrangements
unter dem ökonomischen Rationalprinzip ein theoretisches Anliegen, namentlich
in der Betriebswirtschaftslehre und der Mikroökonomie, bleiben. Der praktische
Einsatz dieser physischen Ressourcen folgt den Ideen, von denen die Impulse
(der Handlungswille) und die Gestalten (Ziele, Zustände, Objekte) ausgehen.
Das Resultat ist eine im Kleinen oder mit der Zeit auch im Großen veränderte
physische Welt, die einzelwirtschaftlich ihrerseits regelmäßig Gegenstand
empirischer Beobachtung (z.B. Marktforschung) ist, wobei entweder das bisherige
Handeln bestätigt oder Innovationen stimuliert werden. Der wissenschaftliche
Blick auf diese unmittelbar beobachteten oder aggregiert modellierten Erscheinungen
spiegelt traditionell nur diese wirtschaftlichen Erscheinungen und Vorgänge
wider, nicht dagegen die geistig-kulturellen Energien, die das alles bewirken
und die individuellen Handlungsantriebe liefern. Es fehlt der Blick für
die Tatsache, dass die Wirtschaft über die Dinge, die sie produziert, zugleich
Kultur produziert.
Mit der Hervorhebung der kulturellen Kräfte des Menschen wird selbstredend
die fundamentale Bedeutung der Natur nicht weggeredet oder etwa zur bloßen
Kulisse abgewertet. Die natürlichen Gegebenheiten sind ein zum Teil unüberwindlicher,
objektiver Begrenzungsrahmen, der durch naturwissenschaftliche Erkenntnisse
mit der Zeit zwar verschoben, aber (bislang jedenfalls) nicht aufgehoben werden
konnte. Zu den natürlichen Limitationen des Handelns haben sich die Ökonomen
zu allen Zeiten grundlegende Gedanken gemacht und ihre Sicht der natürlichen
Limitationen mit dem Begriff der Knappheit in das axiomatische Zentrum ihres
Wirtschaftsverständnisses gerückt.
c) Knappheit als theorieleitendes ökonomisches Phänomen
Das innerhalb und außerhalb der Ökonomie verbreitete Verständnis
über die Aufgabe der Wirtschaftswissenschaft wird darin gesehen, dass hier
die Kunst des Umgangs mit knappen Mitteln gelehrt wird und dass mit Hilfe dieser
Kunst trotz der natürlichen Limitationen bei vernünftigem Handeln
ein hoher Grad an Wohlstand und allgemeiner Versorgung erreichbar ist. Mit diesem
Knappheitstheorem lässt sich begründen, dass den Naturwissenschaften
(im Unterschied zur älteren Naturphilosophie) die Funktion einer innovativen
Produktivkraft zukommt. Sie sind in der Lage, die als Begrenzung hingenommenen
oder empfundenen Barrieren der Naturnutzung Stück für Stück zu
verschieben und damit den Spielraum profitabler Wirtschaftstätigkeit zu
erweitern. Diese Argumentationslinie hat in der Vergangenheit eine steuernde
Wirkung bei der finanziellen Ausstattung von universitären Forschungen
und dem Aufbau industrieeigener Forschungseinrichtungen ausgeübt und spielt
noch heute in der Steuer- und Subventionspolitik eine entscheidende Rolle. An
diesem Punkt wird eine der bedeutenden "Brücken" zu den verwertbares
Wissen erzeugenden Institutionen der Gesellschaft und damit der produktiven
Rolle des Wissens deutlich. Es handelt sich allerdings um instrumentelles Wissen,
nicht dagegen um Lebensweisheit und aufgeklärte Einbindung wirtschaftlicher
Aktivitäten in die vitalen kulturellen Lebensmuster und -stile in einer
gegebenen Zeit.
Die Selbstverständlichkeit, mit der die Idee einer durch die Natur vorgegebenen
Knappheit vorgetragen wird, macht skeptisch. Der Einwand gegen diesen problematischen
Grundgedanken ist zunächst der: Wenn Knappheit durch Wirtschaftstätigkeit
bearbeitet (also beseitigt oder wenigstens gemildert) werden kann, und zwar
innerhalb der Begrenzungen, die das Wissen über die Natur und ihre nutzbaren
Ressourcen einräumt, dann ist Knappheit kein natürliches Problem,
sondern ein Dispositionsproblem innerhalb dieses Spielraums. Knappheit besagt
dann nur, dass etwas Begehrtes in der gewünschten Form und Menge zu gegebener
Zeit an gegebenem Ort nicht ausreichend verfügbar ist, dass dieses Manko
aber durch Wirtschaftstätigkeit beseitigt werden kann. Natürliche
Limitation bleibt - von wenigen Ausnahmen abgesehen - eine quantitativ allenfalls
abschätzbare, vom definitiven Wissen über Erdvorräte und der
Kenntnis des realen Verlaufs der anthropogenen Inanspruchnahme (Verbrauch über
die Wirtschaft) abhängige Größe. Selbst bei einer (methodologisch
problematischen) Umwertung auf monetäre Größen und deren Diskontierung
bleibt dieses Phänomen vage.
Könnte es nicht sein, dass Knappheit nichts ist als ein, wenn auch kompliziertes,
Verhältnis zwischen Wünschen und Möglichkeiten, zwischen Nachfrage
und Angebot, dass Knappheit erst innerhalb des wirtschaftlichen Dispositionsraumes
durch Übernachfrage oder Unterangebot entsteht? Ist Knappheit womöglich
ein künstliches Phänomen, hervorgerufen etwa durch bewusstes Zurückhalten
von Vorräten, durch die patentgeschützte Herrschaft über vielversprechende
Technologien oder einfach durch dispositive Fehleinschätzungen des Bedarfsverlaufs?
Wie ist eine Praxis unter Knappheitsgesichtspunkten einzuordnen, die die Nachfrage
nach einem Produkt mit den professionellen Mitteln des Marketing erst erzeugen
muss, weil dieses den möglichen Interessenten gar nicht bekannt ist? Ist
Knappheit (auch) ein kulturelles Phänomen, geboren aus einem bestimmten
Gestaltungsinteresse? Eine äußerst seltene Pflanzenart ist nicht
knapp, solange sie nicht nützlich ist und irgendein Begehren auslöst.
Abgesehen von den ethischen Problemen der Fragen nach dem Wozu und dem allgemeinen
Nutzen, die sich der ökonomischen Theorie gewöhnlich nicht stellt
(kritisch dazu Ulrich 2001 und 2002),
kommt hier ein methodologisches Dilemma zum Vorschein: die dingliche Sicht auf
die Wirtschaft, die auch dann erhalten bleibt, wenn die individuellen Einzelaktionen
auf der monetären Spiegelebene untersucht und aggregiert werden. Knappheit
der Mittel oder Ressourcen kann nur an materiellen Dingen (und der sie repräsentierenden
Geldmenge) bestehen, nicht dagegen an geistigen Kräften und innovativen
Einfällen, nicht an der Griffigkeit der kulturellen Integrationskraft einer
Gemeinschaft oder Gesellschaft und nicht am moralischen Fassungsvermögen
von Individuen.
Die Blickbegrenzung der neoklassischen Ökonomie auf das dingliche Geschehen
in der Wirtschaft ist, trotz der hochabstrakten, zweifellos eleganten Denkansätze
und Theorien, ein Wahrnehmungsproblem, das durch eine lange Denktradition und
Paradigmenbildung als solches nicht mehr bewusst zu werden scheint. Das gefestigte,
jedoch verengte Weltbild der Ökonomie verschließt sich in der inneren
Anschauung und Theoriegestaltung dem geistig-kulturellen Zentrum, aus dem heraus
individuelle Handlungen in der Wirtschaft hervorgehen. Die Dialektik von Geist
und Materie, um hier eine philosophische Metapher aufzugreifen, ist dem praktischen
Wirtschaftshandeln inhärent. Die Dialektik von Theorie und Praxis müsste
dem Umstand, dass alles von Menschenhand Gestaltete dessen Ideenwelt zum Ausdruck
bringt, bei der Konzipierung von Theorie Rechnung tragen. Was dies angeht, ist
ein nützliches Erzeugnis nicht anders einzuschätzen als ein (allerdings
meist komplexes, zuweilen rätselhaftes) Kunstwerk.
Das Erkenntnisziel einer die konstruktive Rolle des Denkens hervorhebenden Wirtschaftswissenschaft
wäre der Versuch, beständige, das reale Handeln steuernde Muster hinter
den vordergründig sinnlichen Wahrnehmungen zu erkennen. Die Ökonomie
könnte sich zu einer phänomenologisch und konstruktivistisch arbeitenden
Wissenschaft mit einer speziellen hermeneutischen Kompetenz entwickeln. Wenn
man sich die Arbeitsweise der Ratgeberkreise bei Regierungen und öffentlichen
Institutionen ansieht, so beruht deren hermeneutische Welterklärung zwar
nicht mehr, wie noch in der Antike, auf der Deutung von Zeichen göttlichen
Willens, wohl aber auf der Verarbeitung von Zahlenmaterial, das mit Hilfe der
traditionellen Modelle der Ökonometrik gewonnen wird, die allerdings eine
um entscheidende Komponenten verengte Realitätswahrnehmung aufs Tablett
heben. Der Schritt von den reinen Zahlkolonnen zu den komplexen, ganzheitlichen
Bewegungsmustern in der ökonomischen Realität bedeutet nicht zwingend
ein völliges Verlassen vertrauter Modelle, sondern eine Denk- und Perspektivenerweiterung,
die allerdings andere Methodologien erfordert als die gewohnten.
4. Wahrnehmung und Theoriebildung in der Ökonomie
Die konstruktive Arbeit des individuellen Denkens beruht auf gegenwärtiger
(empirischer) Wahrnehmung in Kombination mit vergegenwärtigten Gedächtnisinhalten.
Durch gezielte und methodisch gestaltete interpersonale Kommunikation bildet
sich so etwas wie kollektiv gesteuerte Wahrnehmung in Kombination mit dem Zugriff
auf archivierte Gedächtnisinhalte in Form von Theorien und evidenten Erkenntnissen.
In diesem Abschnitt geht es um die Frage, welche auf die Wirtschaft bezogenen
Wahrnehmungen den ökonomischen Theorien in ihrer jeweiligen Entstehungsepoche
zugrunde lagen und wie sie das ökonomische Denken danach beeinflusst haben
(könnten). Hier geht es allerdings nicht um eine kurzgefasste Rekonstruktion
der ökonomischen Theoriegeschichte (dazu Söllner
2001), sondern um eine grundsätzliche methodologische Problematik,
die mit der Relativität der Geltung von Theorien zusammenhängt.
Sind schon auf individueller Ebene die genauen Abläufe neurologischer
Prozesse der Wahrnehmung (sinnliche Erfassung, gedankliche Strukturierung, Abgleich
mit dem Gedächtnis, innere Gestaltung) nicht restlos geklärt, so könnte
die analoge Anhebung der vermuteten Verlaufsmuster auf denkende, sortierende,
klärende menschliche Kollektive - wie sie die wissenschaftlichen Kollegien
und Forschergemeinden eben darstellen - als um etliche Grade fragwürdiger
betrachtet werden. Indessen ganz so ahnungslos sind wir heute dank neuerer Erkenntnisse
der Neurologie jedoch nicht mehr. Dennoch bleibt die Frage, ob solche Erkenntnisse
ohne Weiteres durch Analogieschluss auf kooperierende Gruppen übertragbar
sind, grundsätzlich offen, da hier die Probleme der Koppelung eigenständig
arbeitender Gehirne durch Sprache ein Sachverhalt eigener Art ist. Die Einblicke
Neurologen in die Arbeitsweise unseres Gehirns (Pöppel
1997; Singer 2002 und 2003)
läuft in keineswegs überraschender Weise auf ältere Vorstellungen
der Denkpsychologie zu, insbesondere auf die Kunstpsychologie Rudolf Arnheims
(Arnheim 1979, 1996, 2000
und 2001) sowie den (denkpsychologischen) Konstruktivismus
(Kuhn 1978; Watzlawik 2003; Watzlawik,
Kreuzer 2003). Als philosophische Vorläufer dieser Sichtweise schon
im Altertum können Platon, nach ihm die Ahnenreihe der Platoniker bis hin
zu Plotin gelten.
Im Allgemeinen geht man davon aus, dass Wissenschaft eine methodisch abgesicherte
Suche nach Erklärungen wahrnehmbarer Phänomene (in Gegensatz zu fiktiven,
phantastischen, magischen oder religiösen Erscheinungen) ist. Das Spezifische
wissenschaftlicher Erkenntnisgewinnung im Unterschied zu alltäglichen,
das praktische Handeln direkt steuernden Wahrnehmungen besteht in der Anwendung
von bewährten Methoden der Beobachtung und Interpretation und dem Abgleich
der Ergebnisse mit vorangegangenen eigenen oder fremden, um eine gestärkte
Verlässlichkeit (selten eine endgültige Gewissheit) zu erlangen. Wissenschaftliche
Erkenntnisse durchlaufen gewöhnlich eine Phase der gewissenhaften Überprüfung
und Bewertung. Darin liegt die kritische Funktion wissenschaftlicher Kollegien
und Fachgemeinschaften.
Was auf diese Weise methodologisch installiert wird, ist folglich nicht so
sehr eine analoge Übertragung individueller Prozesse systematischen Forschens
auf die Superebene von Forscherkollektiven, als vielmehr die Einrichtung einer
Verlässlichkeitsprüfung zur Festigung von Geltungsbehauptungen wissenschaftlicher
Forschungsergebnisse. Kaum zu übersehen sind in diesem Licht positiver
Erkenntnisabsicherung die Schatten und Risiken einer solchen Konstruktion. Individuelle
Erkenntnisse, die dem kollektiven Verständnis eines bestimmten Sachzusammenhangs
widersprechen oder den Ehrgeiz anderer durchkreuzen, führen nicht automatisch
zu einer Korrektur der bislang geltenden Sichtweisen (Theorien), sondern können
mit methodischen, sachlichen, aber auch verdeckt mit ideologisch oder gar irrationalen
Argumenten "abgebügelt" werden und damit unwirksam bleiben. (11)
Die Anerkennung einer Einzelleistung als Erkenntnisgewinn ist also selber ein
von Vorprägungen (Vorwissen und subjektiven Überzeugungen) gesteuerter
Wahrnehmungsprozess. Dabei dürften naturwissenschaftliche Prüfvorgänge
nach dem Kriterium der identischen Experimente bei sonst gleichen äußeren
bzw. ausschaltbaren Bedingungen gegenüber geisteswissenschaftlichen einen
deutlichen Gewissheitsvorteil für sich verbuchen. Human- oder geisteswissenschaftliche
Forschungen "leiden" unter der Unmöglichkeit identischer Wiederholung
von Situationen, die bekanntlich schon durch den Zeitablauf in veränderte
Umgebungsbedingungen geraten, die man nicht durch "ceteris-paribus-Klauseln
(wie in der Ökonomie üblich, vgl. Henrichsmeyer,
Ganz, Evers 1991, 35; Söllner 2001, 55) ausschalten
kann, ohne die Bodenhaftung mit der Realität zu verlieren.
Indessen ist der Unterschied nur gradueller Natur. Erkenntnisse in Humanwissenschaften
können stets nur als vorläufig geltend behauptet werden, gelten also
nur im Rahmen der Bedingungen, unter denen der Erkenntnisprozess verlief, vergleichbar
mit den Bedingungen naturwissenschaftlicher Experimente. Sie bedürfen in
den Humanwissenschaften jedoch besonders filigraner Aufmerksamkeit für
inkompatible neue Einsichten und behauptete Geltungsansprüche auf individueller
Ebene. Die forschende Aufmerksamkeit für und Empfindlichkeit gegenüber
verdeckten oder durch Tradition für unhinterfragbar genommenen Dogmatisierungen
gehört deshalb in den Humanwissenschaften zur methodologischen Kultur.
Für die Ökonomie stellt sich nach dem Gesagten die brisante Frage,
welchem der beiden Typen wissenschaftlicher Geltungsprüfungen sie sich
zuordnet oder ob für sie eine dritte Version beansprucht werden kann oder
muss. Vereinfachend lässt sich (vorläufig) die Antwort geben, dass
die in der Hauptströmung der Ökonomie dominierende dingliche Grundorientierung,
d.h. die Fokussierung der Forschung auf die physische Produktion, Distribution
und Konsumtion einschließlich ihrer zu Koordinierungs- und Lenkungszwecken
nötigen Abbildung auf der monetären Wertebene die Anlehnung an die
naturwissenschaftliche Methodologie nahe legt. Genau dies entspricht der Theorietradition
in der Ökonomie und lässt sich wahrscheinlich mit der bereits geschilderten,
schon bei Adam Smith angelegten Verknüpfung ökonomischen Denkens mit
der Natur und den natürlichen Ordnungs- und Gleichgewichtskräften
erklären, wie sie besonders bei Isaac Newtons Physik zu finden ist. (12)
Von späteren Ökonomen ist dieser Zusammenhang expressis verbis hergestellt
worden. So schreibt etwa Ludwig von Mises: "Man hat die Gesetze der gesellschaftlichen
Kooperation zu erforschen, wie der Physiker die Gesetze der Mechanik erforscht."
(zitiert nach Brodbeck 1998, 38). Die Vorstellung, die
Wirtschaft funktioniere wie eine soziale Maschine und könne am besten im
quantifizierenden Stil der Ingenieurwissenschaften beschrieben werden, ist noch
heute in der neoklassischen Ökonomie verbreitet. Neben der "Maschinen-Metapher"
hat noch eine andere, ebenfalls naturwissenschaftliche Metapher eine Rolle gespielt,
nämlich die biologische (Söllner 2001, 306
ff.).
Ein anderer Konstruktionsansatz ergibt sich, wenn - wie in dieser Abhandlung
vorgeschlagen - die Ökonomie als eine spezifische Kulturwissenschaft eingeordnet
wird, die die geistigen Kräfte des Menschen ins Zentrum einer kulturellen
Grundorientierung stellt. An dieser Stelle sei in geraffter Form eine Erläuterung
des hier benutzten Kulturbegriffs eingeschoben. Kultur wird auf individueller
Ebene verstanden als innere Anschauung über die Art zu leben, woraus sich
die teils dauerhaften, teils spontanen "Vorlagen" für den Lebensstil
(Verhaltensprägungen, Komposition von Artefakten im Lebensumfeld) ergeben.
Kultur als gesellschaftliche Erscheinung bildet sich als kollektive, sprachlich
vermittelte, geteilte und gelebte Anschauung über die Gestaltung des sozialen
Zusammenlebens und verwirklicht sich in Form von öffentlichen Artefakten
und ihrer Ästhetik (z.B. Bauten, Siedlungsformen, Wirtschaftsformen und
-stile usw.) und in der Geltung ethischer Prinzipien (allgemeine Moral, Verfassungen,
Rechtsnormen, Wirtschaftsethik, Wissenschaftsethik usw.). Kultur ist individuell
und sozial ein geistiges Band, das auch das Wirtschaftshandeln umfasst, und
zwar in allen eben genannten Dimensionen. Die Wirtschaftswissenschaften beider
Versionen wären mit diesem Konstruktionsansatz auch methodologisch in die
Sphäre der Kultur-, Geistes- oder Humanwissenschaften eingefügt und
müssen dann deren Besonderheiten in methodischer und wissenschaftsethischer
Hinsicht gelten lassen. Die daraus zu folgernde Notwendigkeit einer konstruktiven
methodologischen Kritik (hauptsächlich) der neoklassischen Ökonomie
(13) bezieht sich auf zwei unterschiedliche, wenn auch verbundene
Sachverhalte:
- Durch die Anlehnung an die vermeintlich härteren Geltungskriterien der
Naturwissenschaften einschließlich der Ingenieurwissenschaften sind die
geistigen Potentiale, die das Wirtschaftsgeschehen mit den notwendigen Antrieben
und Zielperspektiven versehen, nahezu vollständig aus dem Lichtkegel des
Erkenntnisstrebens ausgeblendet worden. Das (singuläre oder aggregierte)
Erfassen (fast) ausschließlich des dinglichen Geschehens in der Wirtschaft
kommt naturgemäß ohne ein Eindringen in die geistig-kulturellen Sphären,
die das alles in Bewegung halten, aus. Man interessiert sich für die empirisch-faktischen
Ergebnisse, weniger für die geistigen Antriebe und Prozesse dahinter. Wahrnehmungen,
die über das Physisch-Vordergründige hinaus in die Geisteswelten normativer
Strukturen und Prozesse vordringen, die ja mitunter hartnäckiger als die
physische Substanz einer technischen Anlage den Zeitablauf und historischen
Wandel überdauern, werden als irrational und wissenschaftlicher Analyse
unzugänglich abgewiesen.
- Die methodologische Anlehnung an die Natur- und Ingenieurwissenschaften erfolgte
zu einer historischen Zeit, als die Physik Isaac Newtons das gängige Weltbild
beherrschte. Der Versuch, aus diesem an sich ja nachvollziehbaren, in sich stringenten,
insofern überzeugenden Wissen axiomatisch und methodologisch Vorteile zu
ziehen, ist zweifellos legitim. Nicht hinzunehmen ist aber das Insistieren auf
dieser Basisorientierung auch dann noch, wenn in den Naturwissenschaften durch
Einstein, Heisenberg und all die anderen Naturwissenschaftler der jüngsten
Zeit (Dürr 2000; Dürr, Oesterreicher
2001; Prigogine, Stengers 1990), längst ein
ganz anderes Denken Einzug gehalten hat. Die neoklassische Ökonomie hat
mit dem Wandel der naturwissenschaftlichen Einsichten in die methodischen Unschärfen
in der Erkenntnis des Mikro- und Makrokosmos nicht Schritt gehalten und geht
offenbar weiter von der Idee der prinzipiellen Messbarkeit, Vorhersagbarkeit
und Steuerbarkeit von Wirtschaftsvorgängen aus.
Das bisher Gesagte zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Tradition
des ökonomischen Denkens methodologisch die reale Welt der Wirtschaft nach
einem rationalistischen Vorverständnis wahrnimmt und auf Modelle abbildet,
um die Möglichkeiten der Erreichung eines rationalen Optimums zu prüfen.
Folgt die Realität den daraus abgeleiteten Imperativen, folgt beispielsweise
die Wirtschaftspolitik der Erkenntnis, dass optimaler Wettbewerb keine sachfremden
Barrieren verträgt - wobei offen bleibt, was sachfremde Barrieren sind
-, dann gleichen sich mit der Zeit Modell und Wirklichkeit an. Kurz gefasst:
Die Gesellschaft wird zunehmend überall dort, wo sie mit wirtschaftlichen
Vorgängen in Kontakt kommt, rationalisiert, und zwar in jener Vernunftversion,
die dem traditionellen ökonomischen Denken innewohnt.
5. Die Dingwelt und die Geisteswelt der Wirtschaft
Die monetär gesteuerte Optimierung der dinglichen Sphäre ist die
Evidenz schuldig geblieben, ob materieller Wohlstand zugleich das bestmöglich
Leben in geistig-kultureller Hinsicht bedeutet oder ob sie womöglich dies
gerade konterkariert. Die Rolle der Geisteswelt, die die Wirtschaft in ihrer
Praxis unabweislich umfängt, ist eine offene Stelle der ökonomischen
Theorie. Die Wirtschaft - wie immer sie wissenschaftlich als Gegenstand beschrieben
und definiert wird - hat wahrnehmbare Eigenschaften, die als Konstituenten von
Theorien grundsätzlich in Betracht kommen. Die Auswahl der relevanten Eigenschaften
folgt in der Fachwelt der Ökonomie dem jeweiligen Theoriemodell und Erkenntnisinteresse.
In diesem Abschnitt geht es um die Frage, ob und mit welcher Begründung
die Annahme, dass das visionäre, koordinierende, disponierende Denken in
der Wirtschaft zu den essenziellen Eigenschaften gehört, die sich in den
ökonomischen Theorien wiederfinden sollten, auch wenn es sich nicht um
physische Eigenschaften handelt. Dabei wird auf ein altes ökonomisches
Postulat der Neoklassik zurückgegriffen, wonach sich alle Erscheinungen
in der Wirtschaft auf individuelles Handeln zurückführen lassen müssen
(Söllner 2001, 54).
Das Denken konstruiert Wirklichkeiten, die vom Individuum für dinglich
real genommen werden. Die inneren Vorstellungen sind jedoch keine Fotographien,
die sich über die Netzhaus in einer Art >camera obscura< des Gehirns
einbrennen. Das Gehirn verarbeitet von den Wahrnehmungen vorzugsweise das, was
mit den bereits vorhandenen Denkmustern und Konstanten (14)
erklärt werden kann, und es sucht geradezu in der äußeren Dingwelt
nach Konstanten , welche Orientierungssicherheit geben. Unauffälliges und
das meiste nicht sofort Identifizierte geht den Weg des schnellen Vergessens
und hinterlässt keine Spuren im Gedächtnis (was dessen Entlastung
dient). Bliebe dies die einzig mögliche Arbeitsweise des Gehirns, kämen
keine Innovationen, keine neuen Ideen zustande. Das Neue ergibt sich aus dem
Bewusstwerden einer Spannung zwischen sinnlichen Erfahrungen und eingeprägtem
Vorwissen, welche die Aufmerksamkeit des Denkens auf sich zieht. Es muss folglich
Denkprozesse geben, die für bestimmte oder erahnte Erscheinungen empfänglich
macht. Diese Vorarbeit des Denkens sei hier - der Kürze halber - Phantasie
genannt. Es handelt sich um die Fähigkeit unseres Denkapparates, etwas
zu vergegenwärtigen, was sinnlich nicht präsent ist, was womöglich
gar nicht existiert, aber plausibel ist, oder was "wilde" Konstruktionen
oder Einbildungen unspezifischen Ursprungs sein können, um die Fähigkeit
also, aus Fragmenten sinnvolle Gestalten zu bilden.
Konkrete Handlungssituationen sind in der erfahrenen und gestaltbaren Lebensumwelt
des Individuums verankert, welches sich von der Lage ein Bild zu machen versucht.
Die so entstehenden Denkkonstrukte überschreiten die registrierte Realität
und suchen zu ergründen, welche Bewegungen darin stattfinden und auf welche
Weise das Individuum im eigenen Interesse tatkräftig eingreifen kann. Aus
der stets (durch Fehlinformation oder Täuschung) gefährdeten Wahrnehmung
resultieren spontane oder berechnete Ideen und Antriebe zum Zupacken. Dieser
überaus stark vereinfachte Ablauf zwischen Wahrnehmen, Denken und Handeln
ist (als Denkkonstrukt) ein Grundmuster, das sich selbst dann noch aufzeigen
lässt, wenn komplizierte Kommunikationen zwischen Individuen in einem institutionellen
Rahmen, z.B. einem konkreten Unternehmen, ablaufen und die Beteiligten nach
bestimmten Regeln und Zielen ihre wirtschaftlich relevante Umwelt beobachten
und daraus Schlüsse (Programme) ableiten. So variabel im Einzelfall diese
funktionalen Strukturen sein mögen, sie sind in der einen oder anderen
Ausprägung immer als Grundstruktur vorhanden.
Die sinnlich gegenwärtige oder durch methodische Arrangements (z.B. systematische
Marktforschung) empirisch aufgearbeitete dingliche Außenwelt bedarf der
Interpretation, und zwar einerseits der Komplettierung von (gewöhnlich
stark) fragmentierten Einblicken in die Realität und andererseits der Rekonstruktion
der sinnlich nicht direkt zugänglichen Beweggründe für erkennbares
Verhalten anderer Individuen, z.B. der potenziellen Käufer, der Wettbewerber,
politischer Gremien usw. Die Einschätzung (nicht Bewertung) der Realität
ist eine essenzielle Leistung individuellen Denkens und für alles praktische
Handeln in der Wirtschaft ein unverzichtbarer Vorgang. Handeln ist stets in
die Zukunft gerichtetes Konzipieren von Programmen, das zwar auf der Grundlage
zutreffenden Wissens über wirksame dingliche Konstellationen aufbaut (z.B.
vorhandene Produktionskapazitäten, verfügbare Arbeitskraft, gesicherte
Rohstoffzufuhr, Bestände an Fertigwaren usw.). Bliebe es jedoch bei der
bloßen empirischen Registrierung solcher Fakten, käme es kaum zu
weitreichenden programmatischen Überlegungen (Planungen, Strategien). Entscheidend
ist in der Wirtschaft nicht, was Fakt ist, sondern wie man über Fakten
denkt. Deshalb ist die geistige Welt der wirtschaftenden Individuen notwendigerweise
auch eine für die Theoriebildung relevante Eigenschaft des wissenschaftlichen
Gegenstandes der Ökonomie.
Der auch für volkswirtschaftliche Untersuchungen und Erklärungen
der Gesamtwirtschaft, zumindest in der Neoklassik, relevante methodologische
Individualismus begründet die weitere Folgerung, dass bei der Bildung von
ökonomischen Aggregaten, z.B. dem Kapitalstock einer Volkswirtschaft oder
der Summe der Neuinvestitionen einer Periode, auch die Geisteswelt der Individuen
mitgebündelt werden müsste, was jedoch aus naheliegenden Gründen
nicht geschieht, hauptsächlich deswegen nicht, weil sie keine quantifizierbaren
und damit aggregierbaren Größen sind. Dennoch lässt sich ein
methodisches Postulat ableiten, wonach die ökonometrische Erfassung von
empirischen Fakten analog den einzelwirtschaftlichen Deutungsnotwendigkeiten
ebenfalls der methodisch gesicherten Interpretation bedürfen. Solches geschieht
zwar regelmäßig in der Praxis durch eine Reihe von Expertengremien
und Fachinstituten, doch die Reichweite der Interpretation geht, wie es scheint,
über den traditionellen Denkhorizont, wie er von der Neoklassik gefestigt
worden ist, kaum hinaus oder bleibt vage. Welche Rolle sowohl auf Unternehmensseite
als auch auf der Gegenseite des Marktes, den Käufern, sowie in der Sphäre
der Stakeholder wirksame kulturelle Grundwerte, Lebensstile, soziale Traditionen
und moralische Prinzipien spielen, gelangt nicht in den Fokus offizieller Interpretationen.
So wäre beispielsweise die Qualität, das Profil und die kulturelle
Fundierung des gesamten Bildungssystems ein wichtiges ökonomisches Theorieelement.
Es mag für Ökonomen unannehmbar erscheinen, einen erweiterten Denkhorizont,
wie er eben angedeutet wurde, sowohl in die theoretische Arbeit als auch in
die Ausbildung von Praktikern für Aufgaben in der Wirtschaft aufzunehmen.
Dies erscheint jedoch unter dem hier vorgeschlagenen ökonomischen Blick
als folgerichtig. Was mit dieser Forderung inhaltlich gemeint ist, sei hier,
speziell auch mit Blick auf die Lehre, kurzerhand kulturelle Kompetenz genannt,
ein Begriff, der zweifellos erläuterungsbedürftig ist. Es geht, allgemein
gesagt, um die Fähigkeit, hinter den Objekten und Objektkonstellation der
dinglichen Welt, soweit sie anthropogener Natur sind, stets die geistigen Kräfte
gedanklich erfassen zu können, die diese Erscheinungen hervorgebracht haben.
In den Dingen der Außenwelt Eigenschaften zu erkennen, die über ihre
Physis hinausgehen, mag für diejenigen, die sich methodologisch eng an
die Empirie zu halten verpflichtet fühlen, den Orbis der ökonomischen
Wissenschaft überschreiten. Andererseits gehört die Kompetenz, in
Situationen, die zur Zukunft hin offen sind, realistische Visionen zu entwickeln,
zu den essenziellen Voraussetzungen produktiven Denkens und Handelns in der
Praxis. Welche Rolle dabei das Denken vor den dinglichen Erscheinungen spielt,
wusste bereits Plotin (205-270 n.Chr.) und vor ihm die Generationen der Platoniker.
Es sei kein Stein auf dieser Erde, der nicht zuvor im Kopf eines Menschen war,
verkündete Plotin. Das hat er zweifellos nicht physisch gemeint, wohl aber
als eine Bestimmung des menschlichen Denkens, wonach wir etwas als Stein nicht
wahrnehmen können, wenn wir nicht eine Idee von Stein in uns tragen, die
uns das Erkennen ermöglicht.
6. Die Konstruktion des Marktes - eine einzelwirtschaftliche
Perspektive
Die in der Neoklassik üblichen mikroökonomischen Modelle und Analysen
des Marktes sind methodologisch fragwürdig und pragmatisch unergiebig.
Diese durchaus nicht neue Einschätzung (15) lässt
sich im Wesentlichen mit der zentralen Annahme rationalen Entscheidungsverhaltens
der Wirtschaftssubjekte begründen, die einem Präjudiz gleichkommt,
da es sich um eine äußerst reduzierte Idee von Vernunft handelt.
Die damit einhergehende Abwertung anderer Vernunftgründe des Handelns als
irrational, zumal solcher der Ethik und anderer kultureller Wertorientierungen,
ist nicht nur methodologisch problematisch, sondern ein fatales Manko der neoklassischen
Theorie hinsichtlich ihrer weltlichen Deutungskompetenz in Sachen Wirtschaft.
Unternehmerisches Handeln, welches aus Einsicht in die gesellschaftliche Mitverantwortung
der Wirtschaft bestimmte normative Anforderungen für sich gelten lässt,
wird praktisch diskreditiert. Der der Mikroökonomie zugrunde liegende methodologische
Individualismus macht indessen selbst wissenschaftlich keinen Sinn, wenn er
tatsächlich von einem auf rationales Maximierungsverhalten verkümmerten
Individuum ausgehen müsste. Sollte das maximierende Individuum nur eine
Studienfigur sein, muss sie eben am Ende wissenschaftlich wieder vitalisiert
werden. (16)
Die neoklassische Mikroökonomie ist indessen noch aus einem weiteren Grund
fragwürdig, weil sie ein Bild von Wirtschaftsvorgängen entwirft, das
so gut wie gar keine Ähnlichkeit mit der hochkomplexen Realität hat,
wie sich am Beispiel der Konstruktion des Marktes demonstrieren lässt.
Die Resultate der mikroökonomischen Modelle sind für die Erkenntnis
der Wirklichkeit, genauer: für die angestrebte Korrespondenz der inneren
Bilder mit der dinglichen Außenwelt irrelevant und folglich für betriebswirtschaftliche
Fragestellungen unbrauchbar. Zwar sind Märkte auch in betriebswirtschaftlicher
Sicht Konstrukte des Denkens, unterliegen also gleichfalls der selektiven Wahrnehmung
mit allen darin liegenden Risiken der Fehleinschätzung und Täuschung.
Aber es gibt so etwas wie einen Zwang aus der Sachlage heraus, für eine
Risiko mindernde Kongruenz zwischen den Denkkonstrukten und der physischen Außenwelt
zu sorgen. Hierin liegt u.E. der entscheidende Unterschied zwischen volkswirtschaftlichem
und betriebswirtschaftlichem Denken. Es ist nicht dasselbe, ob man in der Welt
handeln oder ob man sie lediglich erklären will.
Der Markt ist eine der zentralen Kategorien der Ökonomie. Er ist aus der
Perspektive handelnder Individuen ein Konstrukt wie alle durch das Denken erzeugten
Weltvorstellungen, eine Kopfgeburt mit allen Konsequenzen unvollständiger
und deutungsbedürftiger Wahrnehmungen. Der Markt ist auch im wissenschaftlichen
Denken des theoretisierenden Ökonomen ein Konstrukt. Aber nicht diese wissenschaftliche
Version des Marktes soll hier der Leitgedanke sein, sondern der Versuch zu klären,
was die Tatsache bedeutet, dass der Markt als einzelwirtschaftliche Wirklichkeit
nur in Köpfen (und ihren externen Speichern) existiert. Dies ist keine
Erscheinung der Moderne, sondern war immer und ist weiterhin - wenn auch nicht
immer bewusst - Alltag für jeden, der mit dem Markt zu tun hat. Die konkreten
Marktvorstellungen unterliegen allerdings dem historischen Wandel, und es kann
in der Praxis ein kritisches Problem werden, wenn die realen Komponenten der
kommerziellen Außenwelt nicht angemessen registriert und gedeutet werden.
Die heutigen Marktvorstellungen müssen sich zunehmend den äußerst
komplizierten Verflechtungen auf supranationaler Ebene zuwenden und sich methodisch
"ein Bild" der weitläufigen Zusammenhänge machen. Das war
im Prinzip zu Zeiten des mittelalterlichen Fernhandels nicht viel anders. Man
muss sich vorstellen, dass es vor dem Ende des 15. Jahrhunderts keine verlässlichen
Land- und Seekarten gab und der Handel entlang der alten Seidenstraße
fast schon globale Ausmaße hatte. Die kommerziellen Aktionsräume
werden nur mit erheblicher Phantasieanstrengung anschaulich, nicht nur weil
Märkte eine schwer zu fassende, ausgefranste Kontur haben, sondern auch
weil Blickverengungen durch Denkgewohnheiten und festgelegte Blickpositionen
immer nur perspektivische Bildern liefern können. Dabei spielt Kommunikation,
also die wechselseitige Verständigung über reale Konfigurationen des
Marktes, heute vermittelt über technisch ausgefeilte Kommunikationsmedien
und -kanäle, eine entscheidende Rolle. Das individuelle Bild des Marktes
ist ein Produkt aus Erfahrung, Beobachtung und Vermittlung. Die gängige
Beschreibung, er sei der Ort des Zusammentreffens von Angebot und Nachfrage
zwecks Austauschs von Gütern, ist eine sprachliche Metapher, kein handlungsleitendes
Konzept oder Denkmuster.
Auch das, worum es auf Märkten geht, nämlich die Organisation der
Verteilung von Gütern und Diensten, ist auf der Ebene des wirtschaftlichen
Disponierens in den meisten Fällen nicht ein reales Ding, sondern ein Denkobjekt.
Es geht um die simple Frage: Was ist ein Produkt? Im landläufigen Sprachgebrauch
ist ein Produkt ein dingliches Objekt mit nützlichen Funktionen und Eigenschaften
sowie einem dem Zeitgeschmack angemessenen Design. Es hat, wenn dies alles den
Erwartungen potenzieller Käufer genügend entgegen kommt, alle Chance
für einen kommerziellen Erfolg. (17) Diese Formulierung
mag zunächst einleuchten, weil sie aller Erfahrung entspricht. Sie ist
aber verräterisch, denn nicht auf die einzelnen, irgendwo in Läden
ausgelegten dinglichen Exemplaren sind Erfolgserwartungen gerichtet, sondern
auf die Produktidee, auf das ideelle Produkt. Die Erfolgschancen dieses ideellen
Produktes, das in Bildern und Spots zirkuliert und sich in den Köpfen der
Verbraucher niederlassen soll, ergeben sich aus gelungener öffentlicher
oder singulärer Kommunikation, wenn die bildhaften "Denkimplantate"
bei potenziellen Käufern angesichts eines dinglichen Exemplars ein déja-vue-Erlebnis
erzeugen. Das Produkt hat ein abstraktes Sein im Denken, von dessen bildlich-ästhetischer
Gestalt es abhängt, ob ein Interessent ein reales Ding als ein seinen Lebensvorstellungen
entsprechendes "leibhaftiges" Exemplar erkennt und ihm Aufmerksamkeit
schenkt.
Ob ein Produkt zu einem kommerziellen Erfolg wird, hängt also keineswegs
von seinen physischen Eigenschaften allein ab (18), sondern
von den Vorprägungen (den visuellen, akustischen, taktilen usw. Implantaten)
im Gedächtnis des einzelnen Betrachters oder Interessenten in Verbindung
mit dessen sinnlichen Umfeldwahrnehmungen im Augenblick der Begegnung. Das ideelle
Produkt "bildet" sich durch Wahrnehmung von Dingen und durch Kommunikation
unter Menschen. Das Produkt ist auf Seiten des Anbieters eine ideelle Konstruktion,
die zwar zur Vorlage für die materielle Produktion wird, die aber um des
Erfolges willen zunächst in der Öffentlichkeit als ideelle Gestalt
kommuniziert, also als Bild (oft verknüpft mit einem merkfähigen Melos,
seltener mit Geruchskomponenten) ästhetisch wahrnehmbar gestaltet und in
geeigneter Weise in die Öffentlichkeit lanciert werden muss.
Die gezielt gestaltete Kommunikation, z.B. Werbung, führt zu Hervorhebungen
mit einem Sympathie stimulierenden Attraktionseffekt, so dass das Produkt(bild)
im Gehirn mit dem physisch präsenten Objekt nicht in jeder Hinsicht völlig
deckungsgleich sein muss. Es ist wahrscheinlich nicht einmal völlig deckungsgleich
mit dem ideellen Produkt in den Vorstellungen des Herstellers, weil auch er
im Denken gestaltet, also in abstrakten Formen operiert. Diese stimulierenden
Hervorhebungen geschehen in der Werbung gewöhnlich nicht durch die Präsentation
einer genauen Abbildung eines Exemplars, sondern durch den Kontext, in den die
Bildgestalt gestellt wird, denn der Kontext bestimmt die Wahrnehmung als ganzheitliche
Blickerfassung mit. Auch dieser Prozess ist sehr vielschichtig. Die in einer
Werbung dargestellte Produktumgebung auf einem Plakat ist eine solche Wahrnehmungsschicht;
eine andere ist der öffentliche Ort, an dem das Plakat real hängt.
Weitere Umstände liegen in den mentalen und emotionalen Verfassungen der
Rezipienten im Moment der Betrachtung.
Aus betriebswirtschaftlicher Perspektive, hier insbesondere des Marketing,
sind die Aspekte der abstrakten Ideenproduktion und Kommunikation von Produktbildern
als Kern erfolgreichen Wirtschaftens am Markt keine unbekannten Größen,
auch wenn die konkrete Arbeit an diesen Gestalten kaum noch etwas mit der neoklassischen
Idee des maximierenden homo oeconomicus zu tun hat. Als Praxis hat sie eher
Verwandtschaft mit der Arbeit von Künstlern. Da gibt es durchaus Parallelen
zu zeitgenössischen Kunstauffassungen, die den Umstand betonen, dass Kunstwahrnehmung
zu analogen, aber akzentuierten und nicht deckungsgleichen Abbildungen im Denken
des Betrachters führt. Das bedeutet, dass ein Kunstwerk genau genommen
erst im Gehirn des Wahrnehmenden entsteht, wenn er Objekte oder Objektkonfigurationen
oder auch Kunstverläufe wie in einem Theater betrachtet und gedanklich
verarbeitet. Einer der renommierten Vertreter dieser Kunstauffassung war Joseph
Beuys (Oman 1988; Stachelhaus 1996).
Der französische Maler René Magritte trieb auf eine andere, den
zirkulierenden Produktbildern durchaus gemäße Weise sein Spiel mit
der Konstruktion von Wirklichkeit. In einem seiner bekannten Bilder sieht man
eine Tabakspfeife, darunter die Unterschrift "Ceci n'est pas une pipe".
Es ist eben nur das Abbild einer Pfeife, das zum Rauchen nicht geeignet ist.
Die konkreten Objekte, die real existierenden Exemplare von Produkten, sind
zwar der Bezugspunkt kommerziellen Denkens und Handelns, denn letztlich korrespondiert
Geld als allgemeines Tauschmittel mit (wertvollen) Dingen (19)
und nicht mit Ideen. Dennoch sind die plausiblen, durchsetzungsfähigen,
Eindrücke hinterlassenden Denkkonstrukte und ihre Kommunikation das Wesen
des Wirtschaftens und die Bedingung des Erfolgs. Deshalb ist die geistige Produktivität
des menschlichen Denkens nicht nur auf einzelwirtschaftlicher, sondern auch
auf der aggregierten Ebene der Gesamtwirtschaft ein notwendiges Element der
Konstruktion von Theorien.
7. Wie kann es weitergehen?
Die Vorstellung, dass die für das gesamte Wirtschaftsleben maßgeblichen
Antriebe und kulturellen Formen reine Kopfgeburten sind, die der Empirie nicht
direkt zugänglich sind, sondern nur durch empathisches Denken erschlossen
werden können, wird bei vielen, die auf der alleinigen Geltung der zählbaren,
messbaren und aggregierbaren Erscheinungen der Dingwelt bestehen, Unbehagen
auslösen. Ist das, was bisher in der Ökonomie unter der Ägide
der ökonomischen Rationalität in Bezug auf das koordinierte Zusammenwirken
von Kapital und anderen Produktionsfaktoren gedacht, geforscht und begründet
und schließlich zu filigranen theoretischen Konzeptionen ausgearbeitet
worden ist, nun weitgehend obsolet?
Kurze und zugleich gut begründete Antworten auf diese Fragen kann es nicht
geben, zumindest nicht in diesem Rahmen. Aber die zu bearbeitenden Fragestellungen
können skizziert und damit die Türen zu weiter führenden Untersuchungen
geöffnet werden. Zwei grundlegende Themenbereiche stehen im Vordergrund:
- Welche Rolle spielt die ökonomische Dingwelt im Rahmen einer konstruktivistischen
und zugleich kulturorientierten Sicht auf das Wirtschaftsgeschehen?
- Ist diese Rolle geklärt, schließt sich die weitere Frage an,
ob das in der traditionellen Ökonomie vorherrschende Denken in Kategorien
der Optimierung von Faktorkombinationen (20) in der Produktion
und in Kategorien von erstrebenswerten (auf Wachstum gerichteten Fließ-)
Gleichgewichtszuständen auf den Märkten als dem Alpha und Omega der
Wohlstandsmehrung (21) weiterhin tragfähig sein kann.
Zu 1): Die dingliche Außenwelt unter Einschluss der menschlichen Physis
ist essenzieller Bestandteil des vitalen Kreislaufs von Wahrnehmen, Denken,
Gestalten und physischem Realisieren. Bekanntlich gibt es auf einem Kreis keinen
bevorzugten Punkt. Deshalb stellt sich die Frage, ob dem Geist darin der Vorrang
vor der Physis gebührt, weil er das beherrschende (antreibende, steuernde)
Moment darin ist, allenfalls den Philosophen, wenn sie die Herrschaft des Menschen
über die materielle Natur (Sachbeherrschung, Selbstbeherrschung, soziale
Herrschaft, Herrschaft über natürliche und technische Abläufe)
begründen wollen.
Der menschliche Geist, die Gestalten, die er denkt und sich ausdenkt, ist seinerseits
ein Produkt der Wahrnehmungen in der Dingwelt, aus der ein Mensch sich nicht
davonstehlen kann, und diese Wahrnehmungen sind ständig und unvermeidlich
korrekturbedürftig, will der Mensch nicht den Kontakt zu seiner eigenen
Körperlichkeit und zur dinglichen Außenwelt um ihn verlieren. Mit
anderen Worten: Wir konstruieren zwar im Denken Bilder von der Welt, in der
wir leben, aber wir trachten zugleich danach, uns mit der korrespondierenden
Dingwelt in Einklang oder in gespannte, nach Veränderung drängende
Balance zu bringen (d.h. Verlässlichkeit, Vertrauen, Handlungsgewissheit
usw. zu bekommen), wohl wissend, dass dies niemals ein dauerhafter Zustand des
Glücks sein, sondern allenfalls für einen Moment wirklich werden kann.
Zu 2): Das Dilemma des traditionellen Denkens in der Ökonomie, ihre dezidiert
dingliche Orientierung, liegt in der Unterbrechung des eben erwähnten Gestaltkreislaufs
von Geist und Materie, in der reduzierenden Idee, die Dingwelt der Wirtschaft
in sich selbst optimieren zu sollen und zu können, wenigstens dem Streben
nach. Die Optimierung der wirtschaftlichen Dingwelt nach Maßgabe der reduzierten
ökonomischen Rationalität - eigentlich ist sie unter Geltung eines
umfassenden Vernunftbegriffs ökonomisch eine Suboptimierung - ist zwar
im Grundsatz ein von menschlichem Willen und menschlichen Dispositionen gesteuerter
Prozess der Realgestaltung. Aber dieser Wille ist in allen ökonomischen
Modellen auf das Geld als Steuerungsmedium und auf die Optimierung unter Knappheit
als Entscheidungskriterium reduziert. Der menschliche Geist ist darin ein monetärer
Kümmerling, ein blutleeres, rationalistisches Destillat, das "homo
oeconomicus" genannt wird.
Das hier nicht ausdiskutierbare Problem liegt in den Eigenarten des Geldes
als einer gesellschaftlichen Einflussgröße (Kapitalmacht, politische
Macht, Verführungsmacht, Korruptionsmacht, moralische Entlastungsmacht
usw.), die prinzipiell von jedermann erlangt werden kann, auch wenn nicht jeder
herausragend erfolgreich darin ist. Die Knappheit des Geldes (22)
zwingt zu wohlüberlegtem Einsatz, und wenn dieser Einsatz in der Wirtschaft
erfolgt, um über die dingliche Ebene der Produktion zu einer Geldvermehrung
zu gelangen, dann steuert die Geldknappheit des Investors selbstverständlich
die dinglichen Prozesse der Geldvermehrung. Dort stößt sie auf eine
ganz andere Art von Knappheit, nämlich die Endlichkeit natürlicher
Ressourcen, soweit diese nicht reproduzierbar sind.
Die durch die Wirtschaft erzeugten dinglichen Konstellationen in der realen
Welt (etwa durch die Industrialisierung ganzer Zonen der Lebenswelt einschließlich
der Landwirtschaft, durch die Typologie und Ästhetik des modernen Siedlungs-
und Städtebaus, durch die Ästhetik des Wohnens und der Alltagskultur
usw.) machen die Wirkungen des Geldes als Steuerungsmedium überall ablesbar.
Diese Realwelt wird wahrnehmbar und schafft entsprechende Bilder, die nach genügend
langer Zeit für gefestigt, unhintergehbar und dem Wohl aller dienlich gehalten
werden. Die Mühlen der fortgesetzten Suboptimierung der reinen Dingwelt
mahlen stetig an dieser Entwicklung weiter und schaffen - spekulativ zu Ende
gedacht - eine sich selbst genügende künstliche Objektwelt, die keiner
Subjekte bedarf, außer dass Individuen immer das verbrauchen, was gerade
hergestellt wird - weshalb sie treffend "Verbraucher" genannt werden.
Diese Projektion ist natürlich, wie jeder zugeben wird, nicht real, sondern
eine rein theoretische Fiktion. Doch Denkmuster, wenn sie genügend lange
tradiert und gefestigt werden, können bekanntlich auch real Unheil anrichten.
Die menschlichen Geisteskräfte wollen indessen, so dürfen wir vermuten,
in einer offenen, demokratisch verfassten Gesellschaft nicht auf das Geld reduziert
werden, finden sich aber vielfach abgekoppelt, so als ob die Wirtschaft ein
eigenständig funktionierender Bereich ist, der lediglich der professionellen
Steuerung durch (ökonomisch ausgebildete) Experten bedarf. Da es in der
Geldvermehrungsmaschinerie letztlich um Macht- und nicht nur um schlichte Steuerungsfragen
geht, drängt sich der Gedanke auf, dass Macht und Geist durch die einseitig
dingliche Orientierung ökonomischen Denkens und Handelns in (vielleicht
zu) starkem Maße entkoppelt sind und damit das alte Spiel ihrer dialektischen
Wechselwirkungen nicht mehr in eine sozial erträgliche Balance bringen
können. Diese Balance in der politischen Praxis zu gewinnen und zu halten,
ist die Kernaufgabe jeder Demokratie, in der eine entsprechende Wirtschaftspolitik
Platz zu nehmen hat.
Was folgt aus diesem kurzen Ausflug in die Philosophie für eine erweiterte
Herangehensweise in Fragen der Wirtschaft? Man muss hier unterscheiden zwischen
der Reflexionsebene der Wissenschaft und der Handlungsebene der Wirtschaftenden.
Für die Ökonomie stellt sich die Frage, mit welchen Erkenntnismethoden
daran gearbeitet werden kann, die geistig-kulturelle Welt hinter Produkten,
Märkten, nachfragenden Haushalten, Organisationen, Betrieben und anderen
Entitäten der Wirtschaft einschließlich ihres gesellschaftlichen
Umfeldes angemessen einzubeziehen. In einer Epoche der Kulturgeschichte, in
der immer weniger die konkreten Objekte, sondern ganz überwiegend deren
Bilder in der Öffentlichkeit (auf den Märkten) zirkulieren, kommt
der Sphäre der Erzeugung von Bildern, der Kommunikation von Bildern, der
Gestaltung von Wahrnehmungsumgebungen eine entscheidende Bedeutung zu. Schon
heute reicht es längst nicht mehr, nur über die werblichen Effekte
von Auslagen im Schaufenster oder im Ladenregal nachzudenken, sondern es muss
eine enorme Inszenierungstechnik (23) (Marketing genannt)
in Gang gebracht werden, um Produktbilder in einer Art weitreichender "Aufmerksamkeitsökonomie"
(Franck 1998) in die Öffentlichkeit zu bringen und
gleichzeitig dafür Sorge zu tragen, dass diese geistigen Implantate nicht
sogleich wieder durch ähnliche, ästhetisch wirksamere der anderen
Marktteilnehmer gelöscht werden. Damit ist, wenn auch noch undetailliert,
angedeutet, was unter kultureller Kompetenz zu verstehen ist und als was diese
in Lehrprogramme eingefügt werden kann.
Theoriearbeit beginnt, wenn sie sich nicht auf die Götter verlassen will,
mit einer brauchbaren Beschreibung der dinglichen Gegebenheiten in dem betreffenden
Arbeitsfeld. Dazu gibt es in der Ökonomie bewährte Methoden der empirischen
Forschung, die nach wie vor und laufend das notwendige Basiswissen liefern.
Sie sind nicht das eigentliche Problem, um das es hier geht. Es geht vielmehr
um das Erkennen von hinter den Dingen bestehenden Zusammenhängen und um
deren Einflüsse auf das physische Geschehen. Deshalb bedarf die Deutung
von erkannten Zuständen und Erscheinungen in der Wirtschaft anderer "Bilder"
als jener der dinglich orientierten Theorietradition der Ökonomie gewohnten.
Die Frage ist nicht, ob der ökonomische Blick konstruiert ist - das ist
er unvermeidlich immer -, sondern um das Wie und in welchem Denkhorizont. Das
zentrale Postulat, das in dieser Abhandlung Leitgedanke war, bezieht sich auf
den zu eng gezogenen Kreis der ökonomischen Rationalität, der andere
Vernunftgründe, wenn überhaupt, allenfalls als externe Intervention
und Störung der reinen ökonomischen Optimierungsaufgaben betrachtet.
Die Zeiten sind nicht mehr so, dass wir der Vernunft zutrauen können, sich
selber den Weg in die Köpfe der Individuen zu bahnen.
Anmerkungen
(1) In jüngster Zeit werden verschiedentlich ökonomische
Abhandlungen vorgelegt, die dezidiert auf die Bedeutung von Wissen und damit
des gesellschaftlichen Hintergrundes von Bildung eingehen. Vgl. z.B. Nico Stehr
(2001).
(2) Vgl. Söllner (2001), 50
ff. sowie 332.
(3) Lesenwert dazu Söllner (2001).
(4) In der Renaissance spielte Merkur immerhin noch eine
allegorische Rolle. Dazu John Hale (1994, 374): "While
in mythological narrative Mercury was the messenger of the gods, astrologically
he had come to be connected with advanced artisanal skills. In an Italian miniature
of c. 1400 for instance, his 'children' are shown at work: a scribe, a painter,
a clockmaker, a sculptor, an armourer, a musical Instrument maker, a potter."
(5) Es gehört zu den Leistungen des Ordoliberalismus,
quasi an die Stelle der Natur die politischen (und demokratisch kontrollierten)
Ordnungskräfte gesetzt zu haben. Vgl. Rüstow (2001)
sowie F. P. und G. Maier-Rigaud (2001). Sie haben jedoch
in der Mainstream-Neoklassik kaum Fuß fassen können.
(6) Dies ergibt sich aus einer frühen Veröffentlichung
Smiths in der Edingburgh Review von 1755/56. Vgl. Ballestrem
2001, 40. Von Horst C. Recktenwald wird Adam Smith dagegen als "gemäßigter"
Anhänger Rousseaus eingestuft. Vgl. Recktenwald
1978, LII.
(7) "rein" bezieht sich auf das Fehlen kultivierender,
von manchen für künstlich gehaltener Eingriffe der Menschen. Das meiste
von dem, was uns heute als Natur erscheint, ist indessen kultivierte, also anthropogen
überformte Natur.
(8) Es würde hier zu weit führen, die zahlreichen
Denkansätze in der Ökonomie zu benennen und zu kommentieren, die an
die Stelle der puren Natur den politischen Willen des aufgeklärten Menschen
und seiner Institutionen setzen. Genannt, weil auch wirtschaftpolitisch von
Bedeutung seien die Ordoliberalen um Eucken, Böhm-Bawerk und Wilhelm Röpcke.
Kürzlich wieder aufgelegt auch Alexander Rüstow (2001).
Das Versagen des Wirtschaftsliberalismus. Dazu auch F. P. und G. Maier-Rigaud
(2001). Vgl. auch van Suntum (2001).
(9) Die Wirtschaft ist in dieser Formulierung als eine Sphäre
der Materialisierung von kulturellen Ideen verstanden, die sich institutionell
jedoch nicht als etwas Isoliertes aus der übrigen Gesellschaft herausheben
lässt. Der Kulturbezug jeder einzelnen Wirtschaftstat ist unauflöslich.
(10) Der Zweck wird auch nicht dadurch konkret, dass er
in der Wohlfahrtsökonomie aus Gründen seiner quantitativen Handhabbarkeit
in Modellen durch "die Summe bzw. das Integral der (abdiskontierten) Wohlfahrtswerte
der verschiedenen Generationen zu maximieren gesucht" (Söllner
2001, 130) wird oder in der Betriebswirtschaftslehre die Form der Gewinnmaximierung
annimmt. Der Zweck bleibt abstrakt und bildet ein Destillat aus nur ordinal
darstellbaren Wertkomplexen von Individuen und Gruppen. Der Nutzen selbst ist
eine unpräzise Vokabel. Dahinter verbergen sich die verschiedensten Lebensphilosophien
und Lebensmuster mit zahllosen Schattierungen und Bindungen an kulturelle Strömungen.
(11) Dieses Forscherschicksal ist durchaus nicht selten.
Ein klassisches Beispiel ist die Entdeckung der Vererbungsgesetze durch Gregor
Mendel, dessen Leistungen zu seinen Lebzeiten nie wissenschaftliche Anerkennung
erfuhren.
(12) Die neuzeitliche Ökonomie, zuerst die Volkswirtschaftslehre
und später die Betriebswirtschaftslehre, ist in einer historischen Phase
groß geworden, in der der industriewirtschaftliche Auftrieb maßgeblich
wurde: im 19. und 20. Jahrhundert. Sie konnte sich parallel dazu im akademischen
Kanon als Wissenschaft behaupten. Es ist sicher kein Zufall, dass insbesondere
die Betriebswirtschaftslehre vom "Bild der großen Industrie"
geprägt wurde. Das vorherrschende Denkobjekt der Ökonomie ist auch
heute noch die Industrie, obwohl Dienstleistungen in den meisten Industrieländern
längst die Marke von 70 % des Bruttosozialproduktes erreicht haben.
(13) Eine detaillierte und systematische Kritik der wissenschaftlichen
Grundlagen der Ökonomie ist auch dem Buch von Karl-Heinz Brodbeck (1998)
zu entnehmen.
(14) Eine interessante Untersuchung von medizinisch-neurologischer
Seite an Wahrnehmungsvorgängen bei der Betrachtung von Kunstwerken hat
Semir Zeki (1999) vorgelegt. Vgl. fundiert auch Pöppel
(1997), Singer (2002 und 2003).
(15) Vgl. Brodbeck (1998).
(16) Wie das aussehen kann, haben u.a. Peter Ulrich und
das Institut für Wirtschaftsethik der Universität St. Gallen gezeigt
(Ulrich 2001 und 2002).
(17) Definitionen des Begriffs "Produkt" fehlen
in den ökonomischen Lehrbüchern gewöhnlich, so auch in dem Klassiker
der Betriebswirtschaftslehre von Henner Schierenbeck (2000).
Der dort verwendete Begriff "Gut", meist im Plural "Güter"
gebraucht, wird ähnlich wie bei Henrichsmeyer, Ganz, Evers (1991, 16) auf
den für objektiv gehaltenen Tatbestand der Knappheit zurückgeführt
(Schierenbeck 2000, 2). Das legt Praktikern den
Gedanken nahe, zuerst Knappheit zu schaffen, um diese dann mit passenden Produkten
(profitabel) zu mildern. Knappheit erzeugt man u.a. mit professionellem Marketing
über das Design, welches das Produkt zu einem Unikat macht. Design ist
eine ästhetische Kategorie und damit eine Wahrnehmungssache.
(18) Dass nach erfolgreicher Verhandlung das betreffende
Einzelobjekt auch physisch "über den Ladentisch" gehen muss,
genauso wie die vereinbarte Summe in Geld konkret und nicht abstrakt gezahlt
werden muss, ist selbstverständlich, ebenso die Tatsache, dass zwischen
dem Verhandlungsobjekt (dem ideellen Produkt) und dem Objekt eine im Zweifel
justiziable Übereinstimmung herrschen muss.
(19) Nach wie vor muss dem umlaufenden Geld eine dingliche
Reserve entsprechen, wie man bei Kreditverhandlungen leicht erleben kann. Wer
für seine Geschäftsideen, womöglich im immateriellen Dienstleistungsgewerbe,
einen Kredit benötigt, muss sich entsprechend dingliche Absicherungen besorgen
oder dinglich gesicherte Bürgschaften einbringen. Vielversprechende Ideen
haben allein keine Chance. Das kann ein prohibitive Problem werden, wenn das
nötige Geld für Investitionen in die nachhaltige, öffentliche
Kommunikation zur Verbreitung und Fixierung seiner Leistungsideen (Marktkommunikation)
benötigt wird. Es handelt sich eben um eine nicht-dingliche Investition.
(20) Bei der optimalen Faktorkombination geht es um die
Zusammenfügung von Produktionsfaktoren wie Arbeitskraft, maschinelle Anlagen,
Roh- und Energiestoffe zu einer effektiven Einheit unter Geltung des Kriteriums
höchstmöglicher Wirtschaftlichkeit. Auf volkswirtschaftlicher Ebene
spielen die Aggregate dieser Faktoren eine entsprechende Rolle, also Kapital
(Summe aller Investitionen in produktives Vermögen), Arbeit (Summe aller
einsetzbaren Arbeitskräfte) und Boden (sämtliche der Natur entnehmbaren
Rohstoffe landwirtschaftlicher, forstwirtschaftlicher, bergbaulicher Art sowie
die Nutzung von Grund und Boden als gewerblicher Standort).
(21) Falls es jemals gelingen sollte, auf sämtlichen
nationalen (heute internationalen) Märkten gleichzeitig einen Gleichgewichtszustand
herzustellen, hätte man das so genannte Pareto-Gleichgewicht verwirklicht,
das absolute Gleichgewicht aller Märkte. Dieses Superideal als theoretisch
möglich nachzuweisen ist dem Lausanner Nationalökonomen Vilfredo Pareto
mit mathematischer Präzision Anfang des 20. Jahrhunderts gelungen. Die
Märkte warten noch heute auf erste reale Annäherungen.
(22) Die Knappheit des Geldes ergibt sich daraus, dass der
in einer Volkswirtschaft umlaufenden Geldmenge eine endliche dingliche Absicherung
zugewiesen wird. Geld ist eine Art Generalhypothek auf das Volksvermögen.
Dieses mag in Goldreserven, Devisenbeständen, einträglichen Beteiligungen,
staatlichen Bürgschaften, der gesamte Produktionsmenge einer Periode usw.
bestehen. Alle diese dinglichen Sicherungen stehen aber nur begrenzt zur Verfügung,
weshalb die ausgegebene Geldmenge ebenfalls limitiert werden muss, will man
nicht Geldentwertung riskieren.
(23) Diese Entwicklungen in der Wirtschaftswirklichkeit
sind durchaus eine Bedrohung für die herkömmlichen Studiengänge
der traditionellen Betriebswirtschaftslehre, denn die Nachfrage nach Kompetenzen
vom Typ Künstler, Medienexperte, Regisseur, Bühnenbilder, Maskenbildner,
Komponist und Dirigent drängt sich nach vorn. Was macht ein Betriebswirt,
für den dies alles nur Theater ist?
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