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Rainer Trinczek: Globalisierung - in soziologischer Perspektive

Globalisierung ist ohne Zweifel eines der zentralen 'catch words' in den sozialwissenschaftlichen Debatten der 1990er Jahre gewesen. In diesem Beitrag wird versucht, relevante Aspekte des einschlägigen soziologischen Diskurses zu skizzieren. Dabei werden fünf Punkte bearbeitet: Zunächst wird eine knappe Begriffsbestimmung von Globalisierung vorgenommen, um dann kurz auf die Geschichte der soziologischen Globalisierungsdebatte einzugehen. In einem dritten Punkt wird ein stichpunktartiger Überblick über die wichtigsten Themenfelder gegeben, die aktuell in der Soziologie unter dem Stichwort "Globalisierung" bearbeitet werden. Anschließend werden am Beispiel der "Globalisierung der Wirtschaft" mit der "objektivistischen" und der "konstruktivistischen" die beiden wesentlichen soziologischen Perspektiven auf die aktuellen Globalisierungsphänomene beschrieben. Schließlich wird abschließend darüber reflektiert, was Globalisierung für die Disziplin Soziologie bedeutet, die bekanntlich traditionell eher nationalstaatlich orientiert ist.

Lutz Zündorf: Umstrittene Globalisierung. Staat und Welt als Bezugssysteme des Handelns im Prozess der Globalisierung (OJSD 1-2002)

In diesem Beitrag wird Globalisierung als Prozess der Umstellung von Bezugssystemen des Denkens und Handelns von "Staat" auf "Welt" konzipiert. Von der klassischen Definition des Nationalstaates ausgehend, werden zuerst drei staatszentrierte Bezugssysteme (Rechtsstaat, Sozialstaat, Territorialstaat) skizziert. Im zweiten Schritt werden globale Bezugssysteme (Welt als einheitlicher Markt, als Gefüge von Herrschaftsgebilden, als Konglomerat von Kulturen) umrissen. Die Argumentation läuft darauf hinaus, zu zeigen, dass es sich bei diesen Konzeptionen keineswegs um geschlossene und harmonische Gesellschafts- und Weltbilder handelt; vielmehr enthält jedes der sechs Bezugsysteme spezifische Spannungs- und Konfliktlinien, aus denen sich ihre jeweilige Dynamik speist. Im dritten Schritt werden Prozesse der Umstellung der Bezugssysteme in Richtung Globalität auf drei Ebenen analysiert: auf der Ebene umfassender historischer Prozesse, auf der Ebene staatlichen Handelns und auf der Ebene individueller Akteure.

Susanne Popp: Ein "global orientiertes Geschichtsbewusstsein" als zukünftige Herausforderung der Geschichtsdidaktik?

Für den Geschichtsunterricht, der in seinem Kerncurriculum nationalhistorisch ausgerichtet ist, stellt die Globalisierung eine große Herausforderung dar. Der Beitrag untersucht die Frage, ob und in welcher Weise die aktuelle deutsche Geschichtsdidaktik sich mit dem Thema der "Globalisierung" auseinandersetzt, und stellt die Schwierigkeiten für eine ernsthafte Annäherung an dieses Thema dar. Denn, so wird gezeigt, der Weg zu einer angemessenen geschichtsdidaktischen Antwort auf die Herausforderungen der Globalisierung kann nicht auf dem Weg zusätzlicher Inhalte gefunden werden, sondern erfordert eine konzeptionelle Herangehensweise. Deshalb skizziert der Beitrag in knapper Form neue historische Ansätze einer "globally conceptualized world history" und leitet daraus erste geschichtsdidaktische Überlegungen ab. Des weiteren werden Geschichtscurricula aus anderen Ländern, die sich mit "world history" befassen, dargestellt, diskutiert und auf Anregungen für die geschichtsdidaktische Diskussion befragt. Sie können die keine fertigen Lösungen bieten, doch Wahrnehmung der Probleme schärfen und Impulse für die geschichtsdidaktische Diskussion geben.

Eberhard Jung, Ingo Juchler : Sachanalyse Globalisierung (OJSD 1-2002)

Der Terminus Globalisierung bildet einen schillernden Begriff im Spannungsverhältnis von Hoffnungen und Ängsten. Die Hoffnungen beziehen sich auf die Verbesserungen wirtschaftlicher, politischer und sozialer Zustände, die Ängste auf deren Verschlechterung. Die mit dem Begriff Globalisierung umschriebenen Strukturveränderungen und Modernisierungsprozesse stellen zwar kein grundsätzlich neues Phänomen dar. Doch haben die technischen Innovationen im Bereich der Informationstechnologien sowie politische Deregulierungsentscheidungen der Internationalisierung weltweit vernetzter wirtschaftlicher und finanztechnischer Aktivitäten eine neue Qualität verliehen.

Zur Ausbildung (wirtschafts-)politischer Urteilsfähigkeit bei den Schülerinnen und Schülern ist vor diesem Hintergrund eine differenzierte unterrichtliche Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Facetten der Globalisierung vonnöten. Neben den dezidiert wirtschaftlichen Implikationen des Lerngegenstandes Globalisierung muss dabei auch dessen politische Dimension adäquat Berücksichtigung finden. Das Konzept der "global governance" zur Rückgewinnung politischer Steuerungsfähigkeit unter den Bedingungen der Globalisierung kann hier für globales Lernen richtungsweisend werden.

Peter Davies: Prinzipale oder Agenten? Die Entwicklung von Bürgerschaftlichkeit durch ökonomische Bildung (OJSD 1-2002)

Nach einer Periode, während der sie in der englischen Bildungspolitik vernachlässigt wurde, erhält ökonomische Bildung z. Zt. mehr Aufmerksamkeit. Dieses Papier beschreibt neue Entwicklungen in Politik und Praxis in England und konzentriert sich auf die Ziele ökonomischer Bildung. Insbesondere überprüft es das Verhältnis zwischen diesen Zielen und dem Schwerpunkt, den das Curriculum zur politischen Bildung auf das Verstehen von unterschiedlichen Interessen und Perspektiven legt. Der Beitrag zeigt, dass die Festlegung von Prüfungsinhalten in England einige Hinweise für zukünftige Politik gibt, während die vergangene Praxis zusammenhanglos war. Es wird argumentiert, dass die Verwendung des Prinzipal-Agent-Modells einen klaren und nützlichen Rahmen dafür bilden könnte, mit dem Problem der vielfältigen Interessen und Perspektiven umzugehen die Lernenden darauf vorzubereiten, als Prinzipale und Agenten zu handeln.


Peter Filzmaier: Länderbericht: Politische Bildung in Österreich: Länderbericht (OJSD 1-2002)

Ausgehend von allgemeinen Grundlagen und Zielsetzungen der politischen Bildungsarbeit analysiert der Artikel historische Entwicklung, aktuelle Themenschwerpunkte und Leitbilder der Politischen Bildung in Österreich. Er behandelt sowohl die politische Kultur als auch politische Besonderheiten der Institutionen- und Parteienstruktur. Die konkrete Organisation der politischen Bildung ist nach den Bereichen Schule bzw. Lehreraus- und -fortbildung sowie Erwachsenenbildung getrennt zu betrachten. Das Curriculum eines Master of Advanced Studies (Civic Education)-Programms wird als Fallbeispiel hinsichtlich zentraler Inhalte, didaktischer Ansätze und methodischer Fragen untersucht. Abschließend werden Zukunftsperspektiven zur Diskussion gestellt.

Christian Sitte: Länderbericht: Wirtschaftliche und politische Bildung in österreichischen Schulen (OJSD 1-2002)

Sozialwissenschaftliche Inhalte abseits der klassischen staatsbürgerlichen Erziehung, wurden in Österreich erstmals in der pädagogischen Reformära der 1920er Jahre diskutiert und in Schulversuchen erprobt. Mit dem Schulorganisationsgesetz (SCHOG) 1962, das das Österreichische Schulwesen nach dem 2. Weltkrieg neu ordnete, wurden in den allgemeinbildenden Schulen (Gymnasien und Hauptschulen) wirtschaftliche und politisch bildende Lehrinhalte und Ziele in die Unterrichtsgegenstände (Fächer) "Geographie und Wirtschaftskunde" bzw. "Geschichte und Sozialkunde" integriert. Diese zunächst eher formalen, additiven Verbindungen wurden 1978 durch das "Unterrichtsprinzip Politische Bildung" ergänzt. Die Lehrplanreformen Mitte/Ende der achtziger Jahre sowie 2002 versuchten eine stärkere Integration. In den berufsbildenden Schulen bestehen eigene Unterrichtsgegenstände für die genannten Bereiche.

J. Henning Schluß: Bildungstheoretische Kriterien der Lehrplananalyse (OJSD 1-2002)

Das Verhältnis von Didaktik der Politischen Bildung und Allgemeiner Pädagogik ist immer stärker von der weitergehenden Ausdifferenzierung der pädagogischen Disziplinen gezeichnet. Dies führte zu einer Entfernung der Disziplinen, die bis hin zur Kommunikationslosigkeit reicht. Anliegen dieses Beitrages ist es, anhand eines bestimmten Themas, der Lehrplananalyse, dieser Sprachlosigkeit ein Gesprächsangebot entgegenzusetzen. In einer von der DFG geförderten Forschergruppe zur Untersuchung der Übergangsphasen zu Beginn der SBZ/DDR und nach der Gründung der neuen Länder entwickelte das Projekt "Bildungstheorie und Unterricht" neun Kriterien zur Unterscheidung von affirmativen und reflektierenden Lernzielnormierungen. Diese Kriterien werden vorgestellt und auf ihre mögliche Bedeutung für die Politische Bildung hin ausgelegt und erläutert. Dabei greift der Autor u.a. auf Erfahrungen zurück, die er mit der Analyse der thüringischen Lehrplanentwicklung im Fach "Sozialkunde" gemacht hat. Zugleich sollen Anschlussmöglichkeiten an Überlegungen der Politikdidaktik zumindest kursorisch aufgezeigt werden. Als Voraussetzung dafür wird der verwendete Transformationsbegriff vorgestellt. Über das Aufzeigen von Relevanzbildungskriterien und erziehungstheoretischen Kriterien für die Lehrplananalyse soll das Gespräch zwischen den Disziplinen neu belebt werden.

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